Ein Preuße will er bleiben

Am 25. September wird Ernst von Salomon, in Kiel geborener Beamtensohn aus dem Elsaß und vom Niederrhein, preußischer Kadett, Attentäter gegen den Reichsaußenminister Rathenau und deswegen Zuchthäusler, Autor von „Die Geächteten“, „Die Kadetten“, „Der Fragebogen“, als literarischer Faschist geschmäht, aber von dem marxistischen Literarhistoriker Georg Lukács als (neben Wolfgang Koeppen) bedeutendster unter den lebenden deutschen Schriftstellern bezeichnet, 65 Jahre alt. Während andere sich in diesem Alter pensionieren lassen, schreibt er an einem großen Roman, der die Fragen der deutschen Einheit betrifft. Er will noch viele Geburtstage als Anlässe zu Auseinandersetzungen liefern: denn er hat beschlossen, erst in der Silvesternacht, mit der das Jahr 2000 anfängt, betrunken und tot umzufallen.

Junge deutsche Kunstkritik

Der „Carl-Einstein-Preis der jungen deutschen Kunstkritik“ wird am 1. Oktober 1967 in Wolfsburg zum zweitenmal vergeben. Der Jury des Preises, der an den Dichter und Kunstschriftsteller Einstein (1885 bis 1940) erinnert, gehören in diesem Jahr an: Jürgen Claus, München; Dr. Peter Gorsen, Frankfurt; Klaus Hoffmann, Seebüll; Manfred de la Motte, Bamberg; Margit Staber, Zürich. Stifter des mit 3000 DM und einem Bild von J.-H. Bierzunski dotierten Preises sind vier deutsche Verlage (Belser, Burda, DuMont Schauberg, Rowohlt). Der „Carl-Einstein-Preis der jungen deutschen Kunstkritik“ wird jährlich abwechselnd an einen bildenden Künstler und an einen Kunstinterpreten verliehen. Der erste Preisträger war der Bildhauer H. E. Kalinowski (1966).