Weder ist Arnold Zweig ein Bruder Stefan Zweigs, wie Springer-Zeitungen zu berichten wußten, noch Ludwig Marcuse mit Herbert Marcuse identisch, wie ein CDU-Politiker argerweise verkündete.

Ludwig Marcuse nun, der jüngst die Redeallüren Gerstenmaiers aufs Korn nahm und damit Anlaß gab, ihn mit dem schlimmen Herbert Marcuse, dem bösen Revolutionsprofessor aus USA, in eins zu setzen, dieser andere Marcuse also legt ein neues Buch vor –

Ludwig Marcuse: „Argumente und Rezepte“ – Ein Wörterbuch für Zeitgenossen; Szczesny Verlag, München; 166 S., 18,– DM.

Um es gleich zu sagen: Ludwig Marcuse liegt quer, und nicht nur partiell. Er paßt denen nicht und jenen nicht und hat seine ganz eigene Weise, es mit allen zu verderben, wobei er freilich über einige Vorzugsfeinde verfügt, die er zu ganz besonderen Schuften ernennt – zu Hegelianern, Adornisten, schönen Zungen, Sprachkrüppeln, Spekulanten.

Ich kenne so Bezeichnete, die sich darüber ärgern und gänzlich übersehen, wie anregend dieser Marcuse zu polemisieren versteht, denn in seinen Fluchreden nehmen die Schimpfworte jeweils nur den Endpunkt ein, auf den die Überlegungen zielbewußt zusteuern. Die Strecke vor dem jeweiligen Endpunkt ist es, die man besichtigen muß; das Stückchen geschärfter Prosa, intellektueller, höchst beziehungsreicher Literatur, die dem Blitz- und Donnerschlag des Gewitters von Bad Wiessee vorhergehen.

In seinem neuen Buch ordnet Marcuse die Gewitterfronten und Hagelschauer zu alphabetischer Reihenfolge. Aphorismen, Marginalien, Paradoxien ziehen auf und ab, Marcuse sendet nicht nur Unwetter aus, er paradiert mit dem Florett, dem schweren Säbel, dem Dreschflegel und auch dem Bumerang.