Von Heinz Michaels

Mit spröder, brechender Stimme sagte der Redner: „Ich habe mich entschlossen, die Firma über eine Stiftung, die Ausdruck der dem Gemeinwohl verpflichteten Tradition des Hauses Krupp sein soll, in eine Kapitalgesellschaft umzuwandeln. Diesen Weg zu gehen, ermöglichte mein Sohn Arndt durch seinen Erbverzicht. Für seine verantwortungsbereite Einsicht möchte ich ihm auch vor aller Öffentlichkeit ausdrücklich danken.“

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, der dies am 1. April vorigen Jahres auf der traditionellen Jubilarfeier seiner Firma in der Essener Villa Hügel sagte, hat die Verwirklichung seines Entschlusses nicht mehr erlebt. Vier Monate später, am 30. Juli, schloß der letzte große Souverän der deutschen Wirtschaft für immer die Augen.

Weitere fünf Monate später haben nun die Testamentsvollstrecker den letzten Willen des letzten Krupp erfüllt. Am 2. Januar 1968 ließen sie in das Handelsregister des Essener Amtsgerichtes die „Fried. Krupp GmbH“ eintragen, deren Stammkapital von 500 Millionen Mark im Besitz der gemeinnützigen Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ist.

Damit werden die Bücher geschlossen über einem Kapitel Firmen- und Familiengeschichte, das zugleich auch ein Stück deutscher Geschichte ist. Seit den Fuggern und Welsern war kaum eine Unternehmerfamilie mit den politischen Geschicken des Reiches so lange und eng verbunden wie der Name Krupp.

Obwohl die Pläne für eine Umwandlung des Familienimperiums in eine Stiftung seit dem Jahre 1961, dem Jahr des 150jährigen Jubiläums, im Panzerschrank des Firmenchefs lagen, kam der Anstoß zu diesem Entschluß keineswegs mehr freiwillig. Es waren die Banken, die ihn forderten, als das Unternehmen im Februar letzten Jahres um eine Bundesbürgschaft nachsuchen mußte, um weiter seinen Verpflichtungen nachkommen zu können.

Am 6. März 1967, als Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller in Bonn vor Journalisten und Fernsehkameras die Bedingungen verlas, unter denen der Staat dem Unternehmen beizuspringen bereit war, wurde aber nicht nur die Schlußphase des Familienunternehmens eingeleitet; danach wurde gleichzeitig ein neues Kapitel in der Geschichte jener Institutionen aufgeschlagen, die im deutschen Wirtschaftsleben zwar eine lange Tradition haben, aber nur einen geringen Einfluß auf die gesellschaftspolitische Entwicklung ausübten. Professor Gustav Stein, das geschäftsführende Präsidialmitglied des Bundesverbandes der deutschen Industrie, schreibt: „Die gesellschaftsförderride Funktion eines modernen Stiftungswesens ist in Deutschland noch nicht ausreichend erkannt und daher unterentwickelt.“