Es gibt eine direkte Verbindung zwischen Kopf und Magen – das ist die Speiseröhre. Es gibt auch eine direkte Verbindung zwischen Magen und Herz – das ist jene Liebe, die durch den Magen geht. Leider drückt aber ein voller Magen aufs Herz und somit sicher auch auf die Liebe. Das scheint mir ein echtes Problem zu sein.

Um so mehr verwundert es mich, in den vielen hochgeistigen Schriften über die Probleme der Liebe so wenig zu finden über den Magen und über das, was ihn am meisten erfreut: das Essen.

Das Trinken findet in den Augen der Poeten schon eher Gnade, wohl weil es bis vor gar nicht langer Zeit eine ausgesprochen männliche Beschäftigung war. Das Trinken soll auch anregend wirken. Dem Essen wird dies im allgemeinen nicht nachgesagt.

Zweifellos ist Essen lebensnotwendig. Man; kann darauf nicht längere Zeit verzichten, ohne sein Leben zu gefährden. Also muß man essen, um zu leben. Das ist ja in Deutschland geradezu sprichwörtlich.

Doch da taucht eine große Frage auf: Was heißt „leben“? Wenn „leben“ nur das Gegenteil von „tot sein“ ist, dann ist essen eine Pflichtübung zur Erhaltung des Lebens, denn Selbstmord ist ja eine Sünde. Sollte hingegen „leben“ etwas anderes bedeuten als bloßes „Nicht-tot-Sein“, dann könnte vielleicht auch im Essen ein höherer Sinn verborgen liegen.

Das Trinken erhält sowieso seinen höheren Sinn durch den Alkohol, der, dem Wasser zugemischt, auf das Gehirn wirkt, welches der edelste Teil der Menschen sein soll und über dessen Funktionen man folglich gern spricht.

Für das Essen gibt es offenbar keine höheren Weihen. Es wirkt ja auch nur auf den nicht ganz so edlen Magen.