Wirtschaft

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DIE ZEIT

Begräbnis eines Dogmas

Bonn und Belgrad werden nach über zehnjähriger Unterbrechung der diplomatischen Beziehungen wieder Botschafter miteinander austauschen.

Giap greift an

Der Vietnam-Krieg treibt in die Phase der Entscheidung. Ob nun die seit Wochen vorausgesagte Großoffensive des Generals Giap bei Khe Sanh tatsächlich kommt oder nicht – die kühnen Kommandounternehmen des Vietcong haben schon ausgereicht, das psychologische Gleichgewicht in Indochina über den Haufen zu werfen.

Kanal-Makler

Ehrliche Makler machen nicht viel von sich reden. Desto mehr zeugen ihre Werke für ihre geduldig ausgleichende Arbeit. Gunnar Jarring, der Friedensvermittler der Vereinten Nationen im Nahen Osten, hat in den wenigen Wochen seiner Mission mehr bewirkt, als selbst die kühnsten Optimisten vorauszusagen gewagt hätten: Die ägyptischen Kriegsgefangenen in Israel wurden bedingungslos freigelassen; Israel ist mit einer entmilitarisierten Zone an der Allenby-Brücke einverstanden; der Suezkanal wird geräumt (auch wenn die Ägypter aus Zorn über das jüngste Gefecht die Räumung „auf unbestimmte Zeit“ verschoben haben).

Nadelstiche und Nackenschläge

Chruschtschows kubanischer Raketen-Coup im Herbst 1962: das war eine direkte Bedrohung des amerikanischen Lebensnervs; wäre das Manöver geglückt, so hätte sich das strategische Kräfteverhältnis der Supermächte entscheidend verändert.

Prager Frühling

Drei Wochen, nachdem Parteichef Novotny in Prag seinen Platz räumen mußte, darf der Schriftstellerverband mit dem alten Redaktionskollegium der gleichgeschalteten Literarny Noviny ein neues Organ, die Literarny Listy (Literarische Blätter) gründen.

Im alten Schritt und Tritt

Es stand in Gerhard Freys rechtsradikaler „National- und Soldatenzeitung“. Eine Woche vor der Wahl des neuen Sprechers der Sudetendeutschen Landsmannschaft machte dort, auf einer ganzen Seite, der stellvertretende Landesvorsitzende der baden-württembergischen Sudetenländer, Dr.

ZEITSPIEGEL

Die „I am backing Britain“ (Alles für England)-Kreuzzügler erhalten aus allen Richtungen Schützenhilfe. Nicht nur, daß der Sänger Bruce Forsythe jeden Morgen im Radio mit seinem „backing-Britain“-Schlager die Nation weckt – kürzlich richtete ein Eheberatungsinstitut einen Appell an alle verheirateten Paare: Sie mögen dieses Jahr doch verheiratet bleiben, um durch das Einsparen der Scheidungskosten ihr Schärflein zur Unterstützung Britanniens beizutragen.

Krise der Demokratie?

Diese Demokratie verdankt ihre Entstehung dem 19. Jahrhundert, einer Zeit also, in der das Hauptproblem in dem Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit bestand, dem im politischen Bereich die Kontroverse zwischen Konservativen und Sozialisten zugeordnet war.

Liberale Blume im Knopfloch

Ein paar Stunden lang glich die Stadthalle in Freiburg einer belagerten Festung. Hinter gut bewachten Türen ackerte sich ein schwacher Rest von FDP mühsam durch die Tagesordnung ihres Parteitages.

Krieg beginnen ist nicht schwer...

Die Entstehung internationaler Zwischen-, fälle läßt sich heute dank der Geschwindigkeit der Nachrichtenmittel und der Beredsamkeit der Akteure meistens so leicht nachzeichnen, daß die Bücher über den Ablauf schon geschrieben sind, bevor ihre Folgen abklingen.

Wolfgang Ebert:: Ablenkung als Strategie

Als sich neulich unser Rainer Barzel im Fernsehen zum „Pueblo“-Zwischenfall äußerte, hatte ich fast den Eindruck, ein amerikanischer Feriendampfer mit Schulkindern sei vor der Bucht von San Franzisko von einem koreanischen Schlachtschiff torpediert worden.

Brüsseler Vorfrühling

Warum schauen die EWG-Beamten morgens aus dem Fenster?“ fragte ein Brüsseler Witzbold und gab selbst die Antwort: „Damit sie nachmittags noch etwas zu tun haben.

Das Ende einer Ära

Die Tage unangefochtener sozialdemokratischer Herrschaft in Europas Norden sind vorüber. Die Sozialisten allein bestimmten jahrzehntelang die Nachkriegspolitik in ihren Ländern nach der Devise „Keine Experimente“.

FDP – Auf dem Weg zum Volk

Der grobe Spott, daß die FDP der verlängerte rechte Flügel der CDU sei, traf selbst für den konservativen Kern dieser Partei zu keiner Zeit zu.

Ferndialog Warschau-Bonn

Mit genau zehn Jahren Verspätung hat ein Bundesaußenminister „sachliche Berührungspunkte“ zwischen den Abrüstungs- und den Entspannungsvorstellungen seines polnischen Kollegen Rapacki und der bundesdeutschen Politik entdeckt.

Bonn und Belgrad tauschen Botschafter aus

Nach sechstägigen Verhandlungen haben sich die deutsche und die jugoslawische Delegation am Montag in Paris geeinigt, Belgrad und Bonn die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu empfehlen.

Der elektronische Krieg

Mit dem „Pueblo“-Zwischenfall hat der Einsatz automatischer Spione nun schon zum zweitenmal in acht Jahren eine internationale Krise heraufbeschworen: 1960 war über der Sowjetunion ein U-2-Flugzeug mit dem Piloten Gary Powers abgeschossen worden; Parteichef Chruschtschow hatte daraufhin die Pariser Gipfelkonferenz platzen lassen.

Dialog mit Nordkorea?

Mitte der Woche zögerte Präsident Johnson noch immer, Nordkorea zur Herausgabe des gekaperten Spionageschiffes „Pueblo“ zu zwingen und damit – neben dem Krieg in Vietnam – einen zweiten asiatischen Konflikt heraufzubeschwören.

FDP gab sich kämpferisch

Auf ihrem Freiburger Parteitag hielt die FDP am Wochenanfang Heerschau für den Bundestagswahlkampf 1969. Zunächst musterten die Delegierten ein neues Führungskader: An Stelle des scheidenden Erich Mende wurde der 48jährige Walter Scheel mit 248 gegen acht Stimmen zum neuen Bundesvorsitzenden gewählt.

Großangriff des Vietcong

In Vietnam hat die amerikanische Weltmacht eine neue Schmach erlitten – nur eine Woche nach dem „Pueblo“-Zwischenfallvor der koreanischen Küste: Die Kommunisten eröffneten am Dienstag ihre schon lange erwartete Großoffensive und stürmten in Saigon die amerikanische Botschaft.

Krise am Kanal

Nicht lange währte die Hoffnung, die Räumung des Suezkanals könne ein erster bescheidener Schritt zur Lösung des Nahostkonflikts sein.

Krisen und Krieg in Korea

27. Juni 1950: US-Präsident Truman befiehlt amerikanischen See- und Luftstreitkräften, Südkorea Beistand zu leisten (Oberbefehl: General McArthur).

Namen der Woche

Walter Becher (56), Bundestagsabgeordneter der CSU, wurde als Nachfolger des verstorbenen Bundesverkehrsministers Christoph Seebohm zum Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft gewählt.

Von ZEIT zu ZEIT

Nach einer Unterbrechung von zehn Jahren entschlossen sich die Bundesrepublik Deutschland und die Volksrepublik Jugoslawien zur Wiederaufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen.

Bücher interessieren mehr als Autos

Zwei Untersuchungen über Bücherleser und das Lesen von Büchern sind soeben veröffentlicht worden: von Bertelsmann eine durch die Wickert Institute durchgeführte Analyse der Buchkäufe im vierten Quartal 1966, vom Börsenverein eine vorbereitende Studie des Allensbacher Instituts für Demoskopie zu einer mehrstufigen, breit angelegten Erhebung.

Krise des Goethe-Instituts?

Das Goethe-Institut gehört, nimmt man alles in allem, zu den wenigen Institutionen, die sich in der kulturellen Selbstdarstellung der Bundesrepublik in anderen Ländern behaupten gelernt haben und für unser Land etwas zuwege bringen.

Ma-ma-ma

Studenten fordern Diskussionen. Diese Forderung ist dadurch in Mißkredit geraten, daß sie auch ganz gezielt als taktische Waffe, als bewußtes Störmanöver eingesetzt wird.

Am schwarzen Flügel: Martin Walser

Eine Clownerie der Resignation, artifiziellen Überdruß an Kunst und Leben inszenierte Martin Walser auf der Bühne der Akademie der Künste, im Rahmen von Höllerers „Dramatiker-Werkstatt“.

Anti-amerikanische Demonstrationen

Auch Kuba hat seine „Pueblo“. Dieses amerikanische Spionageschiff heißt „Oxford 59“ und kreuzt tagein, tagaus drei Meilen vor Havanna im Karibischen Meer, von der Küste aus mit freiem Auge deutlich erkennbar.

Ernst beim Essen

Es gibt eine direkte Verbindung zwischen Kopf und Magen – das ist die Speiseröhre. Es gibt auch eine direkte Verbindung zwischen Magen und Herz – das ist jene Liebe, die durch den Magen geht.

FILMTIPS

„Der zweite Atem“ (Le deuxième souffle), von Jean-Pierre Melville. Flucht aus dem Zuchthaus – der große Coup – Entlarvung und Scheitern.

Akademische Kraftprobe in Frankfurt

Am 1. April treten die Satzungen der vier hessischen Hochschulen außer Kraft. Dann werden seit dem neuen hessischen Hochschulgesetz 22 Monate vergangen sein.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Der spanische Katholizismus war nicht gerade immer der fortschrittlichste, und auch die Umwälzungen, die sich zur Zeit in manchen Klerikerkreisen vollziehen, stoßen nicht unbedingt allenthalben auf Zustimmung.

Kunstkalender

Rund 450 Lithographien und Holzschnitte, dazu Mappenwerke und illustrierte Bücher umfaßt die Dore-und-Kurt-Reutti-Stiftung, die Kunsthallen-Direktor Günter Busch in Empfang nehmen konnte und durch die Bremen in edlen hansestädtischen Barlach-Wettstreit mit Hamburg und seinem Barlach-Haus getreten ist.

Selten war das Kabarett so ledern

Fragen, die sich jedem stellen, der dieses schillernde Genre zu einer festgefügten „Kulturgeschichte“ bändigen will. Fragen, die sich nicht definitiv beantworten lassen, weil sich das Kabarett in ständig wechselnder Dosierung aus den Fasern vieler Künste um den Hauptstrang des polemischen Geistes bündelt und sich dann und wann wieder in sie auffasert.

ZEITMOSAIK

Erich Fried, seit siebzehn Jahren Kommentator des „German Soviet Zone Programme“ der BBC, hat seine Mitarbeit eingestellt. Schwierigkeiten, sagte er in der letzten Sendung, habe man ihm nicht gemacht, einer kleinlichen Zensur sei er nicht unterworfen worden, und sogar einige politische Gegner bei der BBC könne er persönlich schätzen.

ZU EMPFEHLEN

Adolf Freyherr Knigge: „Josephs von Wurmbrand, Kaiserlich abyssinischen Ex-Ministers, jezzigen Notarii caesarii publici in der Reichstadt Bopfingen, politisches Glaubensbekenntniß, mit Hinsicht auf die französische Revolution und deren Folgen“; Sammlung insel 33, Insel Verlag, Frankfurt; 156 S.

Offene Türen eingerannt

Nimmt man die Hervorhebungen des Verlagsprospektes ernst, so hat er mit diesem Buch sogar „den Zugang zum wahren und obendrein aktuellen Stifter“ eröffnet, indem er bewußt vom „biedermeierlich-harmlosen“ abgewichen ist.

Unser Seller-Teller Januar 1968

Zum zehntenmal hat jetzt das norddeutsche Barsortiment Lingenbrink seine „Index-Liste“ vorgelegt: die immer noch einzige zuverlässige Auskunft darüber, welches die tatsächlichen Bestseller eines Jahres waren, im Unterschied zu den sogenannten „literarischen“ Bestseller-Listen, wie sie die ZEIT etwa und der Spiegel veröffentlichen, die verschiedene Arten von Büchern und Buchhandlungen von vornherein ausklammern.

Gegenspieler des Insulins

Zu den vielfältigen Aufgaben des Blutes gehört die Versorgung aller Zellen des Körpers mit den notwendigen Nährstoffen. Einer der wichtigsten ist der Traubenzucker (oder mit chemischem Namen: die Glucose).

Neue Waffe: Infraschall?

Ein Gerücht macht seit kurzem die Runde: Die Franzosen besäßen ein schreckliches neues Gerät, mit dem sich im Umkreis von knapp zehn Kilometern alles Leben auslöschen lasse, unhörbarer Schall sei die todbringende Quelle, die Armee teste die lebensgefährliche Waffe bereits auf ihre Brauchbarkeit für kriegerische Zwecke, und das französische Patentamt habe dem unter Professor Wladimir Gavreau in den Laboratorien für Automation und Elektroakustik am Marseiller Centre National de la Recherche Scientifique entwickelten Mordinstrument unter den Nummern 131 551 und 437 460 sogar das Patent erteilt.

Strahlende Sterntrümmer

Wissenschaftler der Rice-Universität in Houston (Texas) haben im Weltraum eine Energiequelle entdeckt, die wahrscheinlich von den Resten eines Sterns gespeist wird, der vor über 900 Jahren explodiert ist.

Film: Der Weg des Peter Lilienthal

Peter Lilienthal war verblüfft, als ihm unlängst Bochumer Studenten, Mitglieder des Studienkreises Film an der Ruhr-Universität, mitteilten, sie wollten ein Lilienthal-Wochenende mit der Vorführung möglichst vieler Arbeiten des Regisseurs veranstalten.

Fernsehen: ... doch das ist leicht gesagt

Ja, da sah man es wieder, das Schild, das wir noch kennen, die Blockschrift auf dem Stück Pappe: Ich suche Frieda Winter, geborene Januscheit; da waren, von der S-Bahn aus photographiert, die grauen Straßenstriche zwischen den Trümmerbezirken: Hamburg 1945; da entstanden aus Wagenrippen, zerbrochenen Schienen und Bahnhofskadavern die Pop-Gebilde der Nachkriegszeit; da wuschen Generäle das Hemdchen, die Offiziere spielten mit leeren Gesichtern Bézigue, und an den Türen der Eisenbahnwagen klebten wie Puppen vermummte Gestalten mit Rucksack und Tasche.

Theater: Gesellschaftskritik als Genuß

Am 10. Februar 1968 wäre Bertolt Brecht siebzig Jahre alt geworden. Unter den Aufführungen, die zu seinem Gedenken stattfinden, ist 40 Jahre nach der Premiere das populärste Stück des „Stückeschreibers“ das problematischste geworden.

Kunst für Deutschland

Nun ist es also raus, stand zu lesen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, daß nämlich, „wie uns jetzt bekannt geworden ist“, die deutsche Kunst auf der diesjährigen Biennale in Venedig durch Horst Janssen (Graphik), Richard Oelze (Malerei) und Gustav Seitz (Plastik) vertreten wird.

Musik:: Triumph einer Stimme

In der Idylle eine Groteske: Ein spleeniger Lord, ein Individualist und Patriot gewiß, erwartet hier an Englands Steilküste die Invasion der Franzosen; die Sonne steht hoch im Süden, die astronomischen Zeichen sind günstig für eine Schlacht, und so wird er, Sir Timothy Bellboys, als Napoleon verkleidet, die Angreifer mit List vertreiben.

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