Nun ist es also raus, stand zu lesen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, daß nämlich, „wie uns jetzt bekannt geworden ist“, die deutsche Kunst auf der diesjährigen Biennale in Venedig durch Horst Janssen (Graphik), Richard Oelze (Malerei) und Gustav Seitz (Plastik) vertreten wird.

Anderen als diesen „uns“ war das übrigens schon einige Wochen bekannt, nur hatte niemand davon bisher offiziell Gebrauch gemacht. Ich meine freilich, daß entweder der für diese Entscheidung verantwortliche Kommissar (Professor Alfred Hentzen, der Direktor der Hamburger Kunsthalle) oder der die Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes beratende Ausschuß oder jene Kulturabteilung selber die Anstrengung einer Dreizeilennotiz an dpa nicht hätte scheuen sollen. Für jede politische Pseudo-Information tritt der Herr Bundespressesprecher persönlich auf, aber Lübke im Busch ist wohl farbiger als Oelze in Venedig.

Da niemand sich zu einer Mitteilung aufraffen konnte, ist es also „durchgesickert“. Professor Hentzen fühlt sich düpiert von Dr. von Maitzahn, dem im Auswärtigen Amt für die Abteilung Ausstellungen Verantwortlichen, aber der war’s ja wahrscheinlich gar nicht, denn der ist gerade im Urlaub, und wenn man heute im Auswärtigen Amt in dieser Angelegenheit anfragt, dann wird man weiterverbunden von Leuten an Leute, denen eins gemeinsam ist: daß sie immer nur „Bahnhof“ verstehen.

Man kann das natürlich auch ganz anders herum sehen und die immense Freiheit bewundern, die die Kulturabteilung des AA dem Ausschuß für Kunstausstellungen im Ausland gewährt. Und wer einmal, nun angeregt, einen kurzen Blick auf die Vergangenheit der deutschen Biennalebeiträge wirft, der hat in der Tat den Eindruck, die Akten eines in Frieden und Freiheit agierenden Exklusivvereins unverkennbar bundesrepublikanischer Provenienz einzusehen.

Angeführt wurde dieser Verein, der sich überwiegend aus Museumsdirektoren zusammensetzt, in den späten fünfziger Jahren von der Landsmannschaft Bayern (Hanfstaengl, Grothe, Röthel), die dafür sorgte, daß der bayerische Beitrag in Venedig nicht zu kurz kam.

Mit Beginn der sechziger Jahre ging das Zepter über an den Westen, an Eduard Trier, der mit Fassbender, Kricke und Ris seinem Landstrich Aufmerksamkeit in Venedig verschaffte.

Und in diesem Jahr nun ist mit Alfred Hentzen der norddeutsche Raum dran – wenn das keine Demokratie ist! Hentzen hat sich, so sagt er, und das ist gewiß ein Argument, für Janssen, Oelze und Seitz entschieden, weil er glaubt, daß die Biennale sich besonders im letzten Jahr in ihrem Bestreben, à la made zu sein, überschlagen hat, daß irgendwann der Rückschlag wieder einsetzen muß.