Wissenschaftler der Rice-Universität in Houston (Texas) haben im Weltraum eine Energiequelle entdeckt, die wahrscheinlich von den Resten eines Sterns gespeist wird, der vor über 900 Jahren explodiert ist.

Professor Robert C. Haymes die Studenten Darwin V. Ellis und G. J. Fischerman, Dr. James D. Kurfess und Professor Wallace H. Tucker berichten in der Januarausgabe der Zeitschrift „Astrophysical Journal“, sie hätten Gammastrahlen aus der Richtung des Krabben-Nebels (nahe dem Stern Zeta Tauri) festgestellt. Damit haben die amerikanischen Forscher zum erstenmal nachgewiesen, daß ein stellares Objekt diese elektromagnetische Strahlung, die zum Beispiel bei Kernumwandlungen entsteht, aussendet.

Der Krabben-Nebel ist eine 3500 bis 6000 Lichtjahre entfernte Gaswolke, die, wie man annimmt, aus den Trümmern des Sterns besteht, der chinesischen Aufzeichnungen zufolge im Jahre 1054 – als „Supernova“ – hell aufleuchtete und dann verlöschte. Die übriggebliebene Gaswolke sendet sichtbares Licht, Radio- und Röntgenstrahlen aus. Diese „Vielseitigkeit“ veranlaßte die Wissenschaftler in Texas zu prüfen, ob der Krabben-Nebel auch ein Gammastrahler ist.

Kosmische Gammastrahlen werden von der irdischen Atmosphäre so stark absorbiert, daß ihre Herkunft mit Meßinstrumenten auf der Erde nicht festgestellt werden kann. Deshalb schickten Haymes und seine Arbeitsgruppe zuerst im Oktober 1965 und danach noch fünfmal einen speziell für diesen Zweck konstruierten Detektor mit einem Ballon in 40 000 Meter Höhe. Dort richtete sich das Instrument abwechselnd zehn Minuten lang auf den Krabben-Nebel und zehn Minuten auf andere Punkte am Himmel. Die jeweils empfangene Gammastrahl-Dosis wurde per Funk automatisch gemeldet. Aus den Dosis-Unterschieden ergab sich deutlich, daß der Krabben-Nebel eine Gamma-Strahlenquelle ist.

Diese Beobachtung ist deshalb von großem Wert, weil sie, wie Professor Haymes erklärt, „die herkömmlichen Theorien der Energieerzeugung im Krabben-Nebel fragwürdig macht“. Zwar gäbe die Vorstellung, daß in der Gaswolke Elektronen wie in einem Teilchenbeschleuniger herumgewirbelt würden, wobei Gammastrahlung entstehe, eine plausible Erklärung, doch könnten die an diesem Vorgang beteiligten Elektronen nur eine Lebensdauer von etwa einem Jahr haben. Auch sei damit immer noch nicht die Quelle der Energie erklärt, die jenen Beschleunigungsvorgang hervorrufen könne. Victor Gero