Das Bewußtsein, Richtiges gesagt zu haben, stärkt den Anspruch, tatenlos am Schreibtisch zu verharren.

Hans Günter Michelsen

Resigniert

Erich Fried, seit siebzehn Jahren Kommentator des „German Soviet Zone Programme“ der BBC, hat seine Mitarbeit eingestellt. Schwierigkeiten, sagte er in der letzten Sendung, habe man ihm nicht gemacht, einer kleinlichen Zensur sei er nicht unterworfen worden, und sogar einige politische Gegner bei der BBC könne er persönlich schätzen. Aber in der Welt habe sich einiges geändert seit den Zeiten des Stalinismus, und dem sei Rechnung zu tragen: Nicht seine Kommentare selbst, sondern ihr Stellenwert hätten ihn unfreiwillig zu einem Propagandisten des Kalten Krieges gemacht. Fried, überzeugter Sozialist, aber ohne Illusionen über die Realität der DDR, hat damit allerdings das Dilemma nicht gelöst, in dem sich so mancher findet, dessen Position der Frieds ähnlich ist. Denn auf die mitunter doch wirkungsvolle „Kritik von außen“ ganz zu verzichten, ist gleichermaßen von Übel.

Berlin – Leningrad und umgekehrt

Der Rektor der Freien Universität Berlin und der Prorektor der Universität Leningrad unterzeichneten am vergangenen Wochenende einen Vertrag, der einen Austausch von Wissenschaftlern und Jungakademikern vorsieht. Der Vertrag muß noch von den akademischen Senaten der beiden Universitäten gutgeheißen werden, ansonsten aber Steht (außer vielleicht einem Go-in) dem Austausch nichts mehr im Wege.

Scheintot