FÜR Bremer Bürgermeister, Frankfurter Rektoren und Berliner Polizeipräsidenten als Pflichtlektüre, dem SDS, dem Ring Christlich-Demokratischer Studenten und politischen Publizisten ins Stammbuch –

Adolf Freyherr Knigge: „Josephs von Wurmbrand, Kaiserlich abyssinischen Ex-Ministers, jezzigen Notarii caesarii publici in der Reichstadt Bopfingen, politisches Glaubensbekenntniß, mit Hinsicht auf die französische Revolution und deren Folgen“; Sammlung insel 33, Insel Verlag, Frankfurt; 156 S., 6,– DM.

ES ENTHÄLT den ersten Nachdruck dieser Schrift seit ihrem Erscheinen im Jahr 1792; dazu ein Nachwort von Gerhard Steiner, Mitarbeiter der Berliner Akademie der Wissenschaften und Professor für neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Greifswald. Knigge, seit 1791 kur-hannoverscher Oberhauptmann in Bremen, vielen vom Hörensagen bekannt durch sein zweibändiges Werk „Über den Umgang mit Menschen“, nahm die Französische Revolution als Anlaß, sich über den Umgang mit Revolutionen und über den gewaltsamen Umsturz von Staatsverfassungen Gedanken zu machen.

ES GEFÄLLT, weil Knigges Schrift wohl die Revolution als einen notwendigen historischen Prozeß, nicht aber Gesetzlosigkeit und schrankenlose Freiheit als notwendiges Ergebnis dieses Prozesses ansieht. Der naive Traum der Aufklärung, daß ein Höchstmaß an Aufgeklärtheit gleichzeitig auch ein Höchstmaß an Güte und Weisheit bedeute, daß vernünftiges Handeln auf die Dauer denkbar und der Friede unter den Menschen dann möglich sei – dieser Traum ist für Knigge vorbei. Allerdings – und auch das macht die Äußerungen des königlich-großbritannischen Staatsbeamten so aktuell – gibt die Erkenntnis, daß es immer Beherrschte geben wird, den Herrschern nicht das Recht, ihre Untertanen unmündig zu halten und zu betrügen.

Hilke Schlaeger