Keine Antwort in Delhi
Was den Armen nicht freiwillig gegeben wird, könnten sie sich eines Tages mit Gewalt holen. Mit dieser düsteren Mahnung eröffnete Ministerpräsident Indira Gandhi die zweite Welthandelskonferenz der UNO in Neu-Delhi. Wie schon 1964 in Genf sitzen sich auch diesmal wieder die Reichen und die Habenichtse dieser Welt gegenüber, um darüber zu beratschlagen, wie das krasse Wohlstandsgefälle zwischen ihnen überwunden werden kann.
Radikalen Forderungen der Entwicklungsländer nach weitgehender Beseitigung aller Zollschranken für ihre Waren, Stabilisierung der Rohstoffpreise und drastischer Erhöhung der Entwicklungshilfe stehen bescheidene Angebote der Industrienationen gegenüber. Keine von ihnen ist bereit, die Existenz ihrer Landwirtschaft oder ganzer Industriebranchen durch unbeschränkte Importe aus Asien oder Afrika zu gefährden. Bei der Kapitalhilfe verweisen sie auf ihre leeren Kassen und internen Finanzprobleme.
Ebenso wie in Genf wird man in Neu-Delhi Resolutionen fassen, Forderungen stellen und neue Organisationen gründen. Das Problem aber, wie die Reichen den Armen helfen können, ohne selber echte Opfer zu bringen, wird weiter ungelöst bleiben. Ebenso wird man keine Antwort auf die Frage finden, wie die Entwicklungsländer „reicher“ werden können, ohne ihre sozialen und politischen Strukturen radikal umzuwandeln, mj.






