DIE ZEIT

Berlin-Krise?

Anfang Dezember vorigen Jahres brachte Walter Ulbricht erstmals wieder drohende Untertöne in die Berlin-Diskussion, doch passiert ist seitdem nichts.

Ein Amt wird zuschanden

Bonn meidet es, von einer Präsidenten-Krise zu sprechen. Aber niemand kann deren Existenz mehr leugnen. Heute geht es nur noch darum, ob die Krise um den Bundespräsidenten bald gelöst wird – oder ob Heinrich Lübke, das Bundeskabinett und die Parteioberen es ertragen wollen, sie weiterschwelen zu lassen, sie zu ignorieren, bis die Amtszeit des Staatsoberhauptes ordnungsgemäß abgelaufen ist und im kommenden Sommer ein Nachfolger gewählt wird.

Torso des Weltkommunismus

Niemand wollte am Ende den langgehegten Lieblingswunsch der Sowjetunion unerfüllt lassen: Die „Weltberatung der kommunistischen und Arbeiterparteien“ wird gewiß Ende dieses Jahres in irgendeiner Form über die Moskauer Bühne gehen.

Schillers neuer Boom-Helfer

Für warme Worte und einen kühlen Schluck blieb wenig Zeit. Kaum war Staatssekretär Dr. Klaus von Dohnanyi von seinem neuen Chef, dem Bundeswirtschaftsminister, unter Eid und in die Pflicht genommen, da mußte er bereits „vor Ort“ und an Karl Schillers Seite Platz nehmen: bei einem Sechs-Stunden-Gespräch mit Kohleleuten über Kohlefragen.

Zeitspiegel

„Gefahr droht eher von den Rechtsextremisten mit Schlips und Kragen, die die Unruhe der Jugend als Unordnung bezeichnen, eine Weltuntergangsstimmung einzuflößen versuchen und sich gleichzeitig als Ordnungshüter anzubiedern.

Das Bensberger Memorandum

Was sich vor nunmehr zwei Jahren die Verfasser der protestantischen Ost-Denkschrift an Mißinterpretationen und Verleumdungen gefallen lassen mußten, erfahren jetzt die Katholiken des „Bensberger Kreises“ mit ihrem Memorandum zu polnisch-deutschen Fragen.

Ein Konzept für Deutschland

Keiner, der in jenen Jahren, da „die Partei“ bestimmte, was Recht ist, was dem Volke frommt und wer Staat und Gesellschaft repräsentiert, keiner, der damals sich wünschte und darauf hoffte, die Kirche werde ein Wort zu der Frage sagen, was gut und böse, was notwendig und was verwerflich ist, kann heute Anstoß daran nehmen, daß auch die Kirche Stellung bezieht, wenn es um Fragen des Zusammenlebens der Menschen in Staat und Gesellschaft geht oder um eine auf Frieden gerichtete Völkerordnung.

Der Krieg ohne Publicity

Der Krieg in Vietnam erregt die Menschen. Keiner bleibt unberührt von den Bildern zerstörter Städte und napalmverbrannter Kinder.

Hoffnung in Lagos

Während im friedlichen Norden Nigerias Oberst Hassan Usman Katsina täglich in den Sattel steigt, um mit seinen Offizierskameraden Polo zu spielen, und während in der Bundeshauptstadt Lagos Studenten in den Straßen karnevalistischen Mummenschanz treiben, quälen sich die militärischen Operationen des Bürgerkrieges in ihren achten Monat.

Lübke darf nicht schweigen

Heinrich Lübke habe „sein Amt als Bundespräsident mißbraucht, um überall – aus Meldebüchern, Archiven, Schulstatistiken usw.

Was heißt Arrangement?

Hat die Bundesregierung das Ergebnis der Pariser Konferenz vom 15. und 16. Februar zu extensiv ausgelegt? Knüpfte sie deshalb an die Brüsseler EWG-Tagung vom 29.

Zurück zur Ideologie

Bei den Sozialdemokraten gärt es. Zum Parteitag in Nürnberg sind 951 Anträge eingegangen. Eine solche Flut hat es noch nie zuvor gegeben, und von diesen Anträgen sind nur wenige derart, daß sie dem Parteivorstand reine Freude bereiteten.

Wolfgang Ebert:: Aktion Saubermann

Da kommt ein Kraftwort des CSU-Bundestagsabgeordneten Unertl gerade recht, der von Rudi Dutschke sagte, er sei eine ungewaschene, verlauste, verdreckte Kreatur“; und ebenso Straußens Beitrag zur Körperhygiene, der vom „ungewaschenen und unrasierten“ Dutschke und von „schmutzigen, linksradikalen Elementen“ sprach und den, Bart noch nicht als Zeichen von Intelligenz gewertet wissen will, was manche offenbar tun.

Appell an den Berliner Senat

Was Blockade und Mauerbau nicht erreichten, droht uns heute durch die Politik des Berliner Senats: Im Gleichklang mit den Parolen der vier Berliner Springer-Zeitungen riskiert er, rechtsstaatliche Prinzipien zu zerstören und damit die demokratische Alternative zum Ostteil dieser Stadt preiszugeben.

Gespaltene Nation

Seit einer Woche steht der „Bericht der Nationalen Beratungskommission über zivile Unruhen“ wie ein anklagendes Mahnmal vor dem amerikanischen Volk.

Asiaten ohne Recht

Im ostafrikanischen Staat Kenia hatten die Asiaten bislang die Mittelschicht der Verwaltungsbeamten und Kaufleute gebildet. Als Kenia 1963 von England unabhängig wurde, stellte es ihnen ein Abkommen frei, ob sie Bürger des neuen Staates werden oder britische Staatsbürger bleiben wollten, wofür die meisten optierten.

Bonn in Berlin

Unter Protesten aus Moskau und Ostberlin hat am Montag die traditionelle Berlin-Arbeitswoche des Bundestages im alten Reichstagsgebäude an der Sperrmauer begonnen.

Chancen für Rockefeller

Im US-Staat New Hampshire wird am 12. März mit den Vorwahlen das Rennen um die amerikanische Präsidentschaft offiziell eröffnet.

Dritter Streich des Vietcong

In ganz Südvietnam haben die Vietcong am Montag zum dritten Male innerhalb eines Monats losgeschlagen. Im äußersten Süden konnten sie am Dienstag die Provinzhauptstadt Ca Mau (40 000 Einwohner) erobern, ehe sie wieder zurückgeworfen wurden.

Kalte Dusche aus Paris

Bevor sich die Außenminister der sechs EWG-Staaten am Donnerstag voriger Woche in Brüssel zu einer neuen Gesprächsrunde trafen, hatte Paris bereits Wasser in den frischen Wein des deutschfranzösischen „Arrangements“ über eine allmähliche Erweiterung der Sechsergemeinschaft gegossen.

Lübke erinnerte sich nicht

Der Bonner Staatsführung ist es am vorigen Wochenende nicht gelungen, den Schwelbrand der Präsidentenkrise auszutreten. Zwar verbreitete Heinrich Lübke am Freitag über Rundfunk und Fernsehen eine Erklärung, die die gegen ihn erhobenen Vorwürfe entkräften sollte.

Namen der Woche

Rudi Arndt (41), hessischer Wirtschaftsminister (SPD) und Alex Möller (64), stellvertretender Vorsitzender und Finanzexperte der SPD-Fraktion im Bundestag, reisten mit Billigung von Bundeswirtschaftsminister Schiller zur Messe nach Leipzig, wo sie mit dem DDR-Beauftragten für den innerdeutschen Handel, Heinz Behrendt, konferierten.

Nasser in Bedrängnis

Auf der Anklagebank saß in den Augen, der Armee freilich auch Nasser selbst. Vom linken Flügel der ägyptischen Staatspartei aufgeputscht, demonstrierten die Arbeiter im Kairoer Vorort Heluan gegen die „milden Urteile“.

Rumänien scherte aus

Ihre Einheit unter Moskaus Führung sollten 67 kommunistische Parteien auf einem Konsultativtreffen in Budapest erproben. Thema: Einberufung einer kommunistischen Weltkonferenz nach dem Muster der Treffen von 1957 und 1960.

Versöhnung mit Polen

Mit einem „Memorandum deutscher Katholiken zu den deutsch-polnischen Fragen“ hat am vorigen Wochenende der „Bensberger Kreis“, ein Gremium unabhängiger katholischer Laien, in die Diskussion um die deutsche Ostpolitik eingegriffen.

Von ZEIT zu ZEIT

Das Budapester Konsultativtreffen endete mit der Einladung zu einer kommunistischen Gipfelkonferenz in Moskau. Die rumänische Delegation verließ vorzeitig die KP-Konferenz in der ungarischen Hauptstadt.

Die dritte Kraft

„Als wir bei einem Bunker in den Bergen anlangten, mußten wir ein Dokument unterschreiben, daß wir soundsoviele Soldaten der Nationalen Befreiungsfront eingeliefert hätten.

50 Jahre Fakten und Legenden: Der blasse Rote Stern

Zum 50. Jahrestag der bolschewistischen Revolution erschien eine Flut von Publikationen. Die Skala der Veröffentlichungen über die Problematik des Kommunismus reicht in Ost und West gleichermaßen von unbedarften Propagandaschriften bis hin zu bemerkenswerten wissenschaftlichen Untersuchungen.

Das Gift der Macht

Die Erinnerungen des französisch schreibenden Romanciers Victor Serge, Sohn russischer Emigranten, „durch Zufall in Brüssel geboren“, führen zurück in die Träume und Enttäuschungen einer Generation gläubiger Revolutionäre, die aufbrachen, die Welt zu verändern und zu vermenschlichen, und die endeten als Opfer einer proletarischen Macht, die sie als vermeintliches Werkzeug des Heils selber mitgeschaffen hatten.

Berliner Narreteien

Für das alte Moabiter Kriminalgericht ist er bereitsein alter Kunde. Wieder einmal erschien der Kommunarde Fritz Teufel vor Gericht.

KP-Programm

Der Sprecher der Unabhängigen Sozialistischen Schülergemeinschaft in Frankfurt, Ben Ortmeyer, hatte nicht zuviel versprochen, als er bei einer öffentlichen „Diskussion mit Kommunisten“ (Siehe „DIE ZEIT“ Nr.

Recht in unserer Zeit: Protokoll eines Versagens

Der Strafgefangene verbüßte eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und zwei Wochen wegen räuberischer Erpressung. Die Gefängnisleitung brachte ihn zusammen mit zwei weiteren Strafgefangenen in einer Einmannzelle unter.

Wenn Rudi kommt

Mit Dutschke kommt die Unruhe. So sagte sich Frankfurts Polizeidezernent und schickte seine Mannen zum Flughafen. Auf Rhein-Main war der Bürgerschreck, aus Berlin kommend, eingeschwebt.

Abgestempelt

In Mannheim wohnt man nicht am Hinteren Riedweg. Wer es etwa wagt, auf den Planken, der Hauptgeschäftsstraße, nach dem Waldhof und dem Hinteren Riedweg zu fragen, den würde man groß anschauen.

Keine Halden

Der hohe Ton einer Dampfsirene zerschneidet die Stille. Doch in dem verkehrsfernen kleinen Tal am Rande des Ruhrgebietes sucht man vergeblich nach Schienen und Lokomotive.

Lemkes Staatssorgen

Als Schleswig-Holsteins christ-demokratischer Ministerpräsident Helmut Lemke am vergangenen Donnerstagnachmittag im Kieler Yachtclub anläßlich eines Pressetees über die Frage meditierte, was man tun könne, wenn ein gesteuerter innerer Notstand auftrete, taten die Kieler Journalisten sich noch an Schwarzwälder Kirschtorte gütlich.

Nur die Spitzen wärmen

Im letzten halben Jahr redeten sie nicht mehr miteinander: die Wirtin und ihr möblierter Herr; sie frühstückten nicht zusammen und holten keine halben Pfunde Margarine mehr füreinander.

Rebellischer Vater

Was Hannovers rebellische Schüler mit ihrer kürzlichen Demonstration („Langeheine in die Leine!“) nicht erreichen konnten, ermöglichte jetzt ein rebellischer Vater: Er erhob Klage gegen eine Schulstrafe, die seinem 16jährigen Sohn Manfred auferlegt worden war und machte damit den Status der Schüler in unserer Gesellschaft zum Diskussionsgegenstand unter Richtern.

Fernsehen: Eine Verteidigungsrede

Der Argumentationsstil folgte bis ins Detail hinein erprobten rhetorischen Lehren; die Art und Weise der Verteidigung verriet ein Vertrautsein mit bewährten Anwaltspraktiken und jenen Regeln, die da besagen: Schwäche zuerst die Position deines Gegners, indem du mit Hilfe einiger Schlagwörter seine Verwerflichkeit anzeigst.

Kunstkalender

Rund 150 Arbeiten aus dem graphischen Werk, Variationen der bekannten Antesfigur (mit Rüsselarm und Doppelauge), Köpfe und Interieurs, Blätter von 1959 bis zur 1967 publizierten Mappe „Anrufung zum Preise der Königin“ nach einem Text von Saint-John Perse.

KP-Kultur-Revolution

Die Kommunistische Partei in der Bundesrepublik, die sich um ihre Wiederzulassung bemüht, für die in der Tat gute Gründe sprechen, hat eine Reihe von Vorschlägen „füreine demokratische Kulturpolitik“ unterbreitet, eine Druckschrift von zwanzig Seiten.

Kuhhandel in Ulm

Vor achtzehn Jahren zog sie mit der Sammelbüchse durch das Land und bat um Spenden für eine Idee – Inge Aicher-Scholl, die Schwester der vor nun fünfundzwanzig Jahren: wegen ihres, politischen Widerstandes von den National-, politischen hingerichteten Hans und Sophie Scholl.

Das Kino der Genossen

Folgendes sah man unlängst, im Rahmen der „Hamburger Filmschau 68“, auf der Leinwand der Kammerlichtspiele an der Grindelallee: Der Kopf eines männlichen Gliedes, in Großaufnahme, hält eine Rede.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Johann Sebastian Bach: „Johannes-Passion“; Giebel, Höffgen, Haefliger, Berry, Young, Crass, Niederländischer Rundfunkchor, Concertgebouw-Orchester, Leitung: Eugen Jochum; Philips S-C 71 AX 303, 54,– DM (bis zum 15.

ZEITMOSAIK

Die landläufige Auffassung, der Künstler habe nämlich seiner Zeit Ausdruck zu verleihen, ist insofern naiv, als sie ihn letztlich zum Berichterstatter degradiert.

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