Nicht nur die weltberüchtigte „Uli Marken“, die nun schon bald eine Generation unter der Laterne beim Kasernenhof steht, verdanken wir ihm, sondern einige Jugend- und Jungenhelden von fast klassischer Qualität. Hans Leip, der einzelgängerische Outsider unter den deutschsprachigen Jugendbuchautoren, hat sich mit dem „Nigger auf Scharhörn“ (1927), mit „Jan Himp und die kleine Brise“ (1934) schon jetzt einen festen Platz auf dem Jungleser-Parnaß gesichert. Auch sein jüngst wieder veröffentlichtes Seemannsgarn ist von besonderer Würze –

Hans Leip: „Die Klabauterflagge – Eine Seeräubergeschichte für Jungen und Mädchen ab 10 Jahren“; Paulus Verlag, Keddinghausen, 96 S., illustriert von Wilfried Blecher, 8,80 DM.

Auch wenn das Buch zuweilen wie ein Verschnitt von Leips voluminöser Flibustiersaga „Bordbuch des Satans“ (1959) anmutet – hier ist trotzdem viel vereint, was zum Lob Anlaß gibt; die vollsaftige Geschichte von der bläßlichen Stadtpflanze, die auf See und unter die Klabauterflagge gerät, ist wortmächtig erzählt und lebendig gestaltet. Knallende Segel, gemischt mit dickem Dampferqualm: der Leser schmeckt den Salzwind auf den Lippen, und achterliche Brisen wehen ihn unsanft an.

Dabei stört auch nicht, daß es sich bei diesem Büchlein ganz unübersehbar um eine Art Konkurrenzschmöker zu Robert Louis Stevenson handelt oder daß der „Robinson“ und die „Meuterei auf der Bounty“ einige stoffliche Ingredienzien beisteuerten. Leip ist immer Leip, routiniert schürzt er den dramatischen Knoten, mischt als sanften Ketchup saubere Gefühle und etwas Liebe bei. Auch ältere Leser werden ihr Vergnügen an dem Buch finden.

Dazu tragen nicht zuletzt die Illustrationen des Preisträgers Blecher bei: Schlitzohrige Typen und augenklappenbedeckte Halsabschneider, selbstverständlich das Messer zwischen den Zähnen, hat er strichelfreudig und variationsreich auf weißen Untergrund gesetzt. Dabei stört auch kaum, daß die überstilisierten Wellen in die unbeabsichtigte Nachbarschaft zu üppig wuchernder Vegetation geraten. Nicht nur küstennahen, sondern auch binnenländischen Leseratten dringend zur Lektüre empfohlen. Horst Künnemann