Die Siegerländer wollen der Isolation vom Luftverkehr entfliehen. Voraussetzung dafür soll der Flughafen Siegerland sein, der auch unter Blindflugbedingungen angeflogen werden kann und Bestandteil eines künftigen innerdeutschen Luftverkehrsnetzes sein soll.

Das Flughafenprojekt soll vor allem der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie und Wirtschaft zugute kommen. Parallel dazu geht die Verbesserung der Verkehrs-Infrastruktur des Siegerlandes, dazu gehören die Elektrifizierung der Bahnstrecken und eine möglichst optimale Anpassung an das Netz von Europastraßen und Autobahnen. So wird die „Sauerlandlinie“ (Verbindungsautobahn vom Ruhrgebiet ins Rhein-Main-Gebiet) etwa 1970 oder 1971 fertig sein. Sie wird, mit einem direkten Zubringer, dicht am Siegerland-Flughafen vorbeiführen.

Damit den Planern möglichst umfassende Informationen zur Verfügung stehen, wieviel Leute sich oder ihre Güter Flugzeugen anvertrauen werden, die von oder nach dem neuen Flughafen fliegen, wurde eine Verkehrsstrukturanalyse in Auftrag gegeben. Professor Dr. Leutzbach (Karlsruhe) untersucht dabei auch, wie weit der Einzugsbereich des Flughafens 28 Kilometer südlich von Siegen reichen wird.

Im Siegerland einen passenden Platz für einen Allwetterflughafen zu finden, konnte deshalb nicht so schwierig sein, weil es nur ein Gelände gibt, das groß genug ist und den Normen der Internationalen Organisation der Zivilluftfahrt (ICAO) entspricht: die Lipper Höhe, ein 600 Meter hohes Plateau vier Kilometer südlich von Burbach gelegen. Es hat den unschätzbaren Vorteil, im An- und Abflugsektor nahezu frei von Hindernissen zu sein.

Mit der ersten Ausbaustufe (im vergangenen Juni beendet) ist der Siegerland-Flughafen bereits in Betrieb. Tower, Abfertigungsgebäude und eine Halle mit 1000 Quadratmetern Fläche stehen. Auf einer Piste mit Grasnarbe können Flugzeuge bis zu 5,7 Tonnen Abfluggewicht starten und landen. Die zweite Ausbaustufe soll noch in diesem Herbst begonnen werden: eine Landebahn mit festem Belag und einer Länge von 1150 Metern.

Am Ende der zweiten Ausbaustufe wird der Siegerland-Flughafen aber immer noch nicht zu jeder Tageszeit und unter fast allen Wetterbedingungen anfliegbar sein. Das soll erst die Endausbaustufe bringen: mit einer festen Landebahn von 1700 Metern Länge und einer ILS-Anlage für die Landung unter Instrumenten-Flugbedingungen. Die Piste ist geeignet für Flugzeuge in der Klasse bis zu 50 Sitzplätzen.

Das Land Nordrhein-Westfalen, von dem das Flughafenprojekt finanziell und technisch gefördert wird, will dem Siegerland-Flughafen eine weitere wichtige Rolle zuschreiben. Es ist geplant, dort eine Flugnavigationsanlage zu bauen, die der Flugsicherung im Lande Nordrhein-Westfalen dienen soll. Es gibt auch schon Baupläne für eine große Werkhalle auf einem Gelände von etwa 5000 bis 6000 Quadratmetern für die Wartung.

Wenn 1970 bis 1971 die „Sauerlandlinie“ fertig ist, soll auch der Siegerland-Flughafen voll benutzbar sein: auch als Bestandteil eines Regionalluftverkehrs mit Liniendiensten zu größeren Wirtschaftsgebieten. Kurt Trettner