An diesem Wochenende fallen die Entscheidungen bei der Commerzbank und bei der Deutschen Bank, wie hoch sie ihre Aktionäre aus dem guten Ergebnis des Geschäftsjahres 1967 „bedenken“ wollen. Bei der Commerzbank rechnete man seit Wochen mit einer Kapitalerhöhung im Verhältnis 10:1 zu 100 Prozent, bei der Deutschen Bank ist man auch einer Überraschung sicher. Bei der Dresdner Bank tagt der Aufsichtsrat erst am 22. April; hier wird das Rästelraten also noch einige Zeit weitergehen. In den letzten Tagen sind die Kurse der Großbankaktien kräftig gestiegen, den Rekord hält die Deutsche Bank, die am Wochenbeginn um 13 Mark je Stück heraufgesetzt wurde (oder um etwa acht Prozent des Wertes an einem Börsentag). Es ist zwar saisonüblich, daß es im Frühjahr zu einer Banken-Hausse kommt; in diesem Jahr hat indessen ihr Ausmaß überrascht.

Die Hausse beschränkte sich nicht nur auf die Kurse der Geschäftsbanken, auch die der Realkreditinstitute setzten sich in Bewegung. Die Furcht, daß die höhere steuerliche Belastung, die für diese Banken seit dem 1. Januar 1968 eingetreten ist, die Vorstände zu einer Zurückhaltung in der Dividendenpolitik veranlassen würde, war unberechtigt. Bei einem großen Teil der Hypothekenbanken sind die Ausschüttungssätze heraufgesetzt worden – und sie werden sicherlich für 1968 nicht wieder zurückgenommen, denn das Geschäft der Hypothekenbanken läuft weiterhin erfreulich.

Für die kommenden Wochen rechnet man mit stabilen Kursen. Innerhalb kurzer Zeit werden aus Dividendenausschüttungen mehr als eine Milliarde Mark frei werden, die zum überwiegenden Teil wieder in die Aktien zurückfließen werden.

Schon dieser Betrag dürfte für einen neuen Auftrieb sorgen. Denn in den letzten Wochen haben die Investment-Fonds, deren tendenzbestimmendes Gewicht an den deutschen Börsen ständig wächst, das flottante Material weitgehend „abgeräumt“. Auf der anderen Seite besteht nirgends die Neigung, sich von dem Effektenbesitz zu trennen, dies um so weniger, als innerhalb der Wirtschaft, vor allem bei den Banken, eine ungewöhnliche Geldflüssigkeit vorhanden ist. Das kommt gegenwärtig auch dem Rentenmarkt zugute. K. W.