Von Uwe Nettelbeck

Am 31. März 1968 eröffnete die Oberbürgermeisterin von Oberhausen die XIV. Westdeutschen Kurzfilmtage mit einer Erklärung, die verrät, was inzwischen von jenem Geist von Oberhausen zu halten ist, den sie und die Festivalleitung Jahr um Jahr beschworen haben.

Die Veranstalter der Internationalen Westdeutschen Kurzfilmtage und die Festspielleitung sind übereingekommen, den Film „Besonders wertvoll“ im Festivalprogramm nicht vorzuführen. Er scheidet damit aus dem Wettbewerbsprogramm aus.

1. Wie in der Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT vom 29. März 1968 bereits zu lesen war, hat sich die für das Programm der XIV. Westdeutschen Kurzfilmtage tätige Auswahlkommission mit fünf zu fünf Stimmen für den Film „Besonders wertvoll“ entschieden. Das widerspricht der demokratischen Übung, wonach ein Antrag bei Stimmengleichheit als abgelehnt gilt.

2. Die Beschlußfassung muß vor allem auch in anderer Hinsicht beanstandet werden. Der Filmjournalist Uwe Nettelbeck enthielt sich bei der Abstimmung nicht der Stimme, sondern votierte für den von der Petra-Nettelbeck-Produktion hergestellten Film. Hier liegt eindeutig Interessenkollision vor.

3. Nach dem von mir erwähnten ZEIT-Artikel von Herrn Nettelbeck ist der Film „Besonders wertvoll“ eine „klaren Verstandes ausgesprochene und präzise formulierte Beleidigung“. Dieses Eingeständnis mußte für die Veranstalter und die Festivalleitung Anlaß sein, eine eingehende Prüfung vorzunehmen, um die Gäste der Westdeutschen Kurzfilmtage vor der Verwirklichung des Tatbestandes der Beleidigung zu schützen.

Wir haben uns diesen Entschluß nicht leicht gemacht. Es kann uns aber nicht zugemutet werden, Filme anzunehmen, welche die künftige Entwicklung der Kurzfilmtage gefährden. Unsere Kurzfilmtage haben sich immer durch Meinungsfreiheit und offene Diskussion ausgezeichnet.