Da auch bei uns die menschliche Arbeitskraft immer teurer wird und es darum billiger ist, an Autos ganze Teile auszuwechseln, anstatt durch scharfes Nachdenken eine noch mögliche Reparatur vorzunehmen, entwickeln sich die Autos in der falschen Richtung: sie werden immer komplizierter.

Sieht man sich kritisch um, hat man den Eindruck, das Automobil wäre erst gestern erfunden und man suche unter höchster geistiger Anspannung nach der besten Lösung. Da findet man Reihen-, V- oder Boxer-Motoren; im Bug oder im Heck; sie werden längs, längsgeneigt oder quer eingesetzt; mit Luft oder mit Wasser gekühlt, in letzterem Fall mit offenen, halbgeschlossenen oder ganz geschlossenen Kühlsystemen. Die flüssige Nahrung wird über immer komplizierter werdende Einfach- und Mehrfachvergaseranlagen zugeführt. In Deutschland kultiviert man sogar noch das diffizile Benzineinspritzsystem (mechanisch und elektronisch), den schweren Mitteldruckmotor (Audi) oder den Dieselmotor für Personenwagen.

Wir streben nicht allein nach einer Vollautomatik für die Getriebeschaltung, was für die Bedienungsvereinfachung gewiß nützlich ist, wir wollen auch noch das Halbe perfektionieren: die Getriebe-Halbautomatiken (VW 1500, NSU Ro 80, Porsche, Simca und andere), die das Kuppeln ersparen, aber einer kundigen Hand für die Einstellung bedürfen.

Schauen wir unter dem Wagen nach: Heck- und Frontantrieb, ungeführte und geführte Starrachsen, Pendelachsen in mancherlei Variationen, Hinterachsen mit Schräg- und mit Längslenkern, Federungssysteme mit Stahl, Luft, Gas, Öl, Gummi und Wasser.

Weiter entfernt als je zuvor ist man heute in Europa, zu einer vernünftigen Standardisierung zu gelangen, die einem großen Teil der Aufkäufer nur willkommen sein könnte. Sie würde zu einer erheblichen Vereinfachung des Kosten- und Wartungsaufwandes führen.

Die Aussichten, aus dieser verwirrenden Vielfalt der Konstruktionen herauszufinden, sind freilich kümmerlich. Sie liegen oft genug im Menschlichen begründet. Technische Eigentümlichkeiten, die gut aber nicht zwingend notwendig sind, werden mit gezogenem Säbel verteidigt. Klassisches Beispiel: das VW-Werk. Es erhielt in letzter Zeit vcm Konstruktionsbüro Porsche einen recht überzeugenden Entwurf für einen geräuschärmeren und leistungsmäßig endlich entwicklungsfähigen Motor, der, wie viele andere Vorschläge, wieder abgelehnt wurde. Von den Vorschlägen, zum Teil fertige Prototypen, die vom VW-Werk verworfen wurden, könnte schon eine mittlere Autofabrik existieren, insbesondere in der bei uns stark vernachlässigten Hubraumklasse unter einem Liter (Ausnahme: NSU Prinz 4).

Ein neuer großer VW steht bevor. Es ist aber zu vermuten, daß er nach traditioneller Art des Hauses konstruiert ist. Wie es heißt, mit Farina-Karosserie und mit elektronischer Einspritzung.