Zwischen einem Viertel und der Hälfte des Goldes im Werte von rund drei Milliarden Dollar, das unmittelbar vor der Spaltung des Goldmarktes von privater Seite gekauft wurde, ist nach inoffiziellen Schätzungen in den Nahen und Mittleren Osten geflossen. Nach Ansicht von Goldhändlern wird das künftige Verhalten dieser Käufer den freien Verhalten wesentlich mitbestimmen.

Da im Nahen und Mittleren Osten auch bisher schon vielfach Gold als Anlage gekauft worden ist, kann nicht unbedingt davon ausgegangen werden, daß diese Goldkäufe der vergangenen Woche einen rein spekulativen Charakter hatten. Wenn auch dieses Gold wieder als Daueranlage in die Tresore fließt, kann unter Umständen der Rückfluß des spekulativ gekauften Goldes auf den freien Markt wesentlich geringer als erwartet sein, so daß der freie Goldpreis auch weiterhin über dem Notenbankpreis von 35 Dollar je Unze notiert wird.

In der vergangenen Woche ist die Spanne zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis für Gold, die nach der Marktspaltung recht beträchtlich ausgeweitet worden war, wieder geschrumpft. In Zürich betrug sie am Wochenende nur noch 50 US-Cents gegen 75 am Wochenbeginn, und auch die Degussa hat die Spanne von 300 auf 200 Mark je Kilogramm gesenkt. Währeid sich am Freitag der Verkaufspreis für eine Unze Gold von 39 auf 38,5 Dollar ermäßigte, ging der Ankaufspreis nur von 38,25 auf 38 Dollar zurück. Auch am wiedereröffneten Londoner Goldmarkt – van 15. März bis zum Monatsende war der Handel eingestellt – pendelte sich der Goldpreis auf diesem Niveau ein.

In der Bundesrepublik sind bisher nach Beobachtungen der Degussa, des größten Goldhändlers in Deutschland, keine Goldbestände aus privatem Besitz verkauft worden. Das liegt vor allem an der Mehrwertsteuer, die bisher trotz des Preisanstiegs am freien Markt noch nicht „verdient“ werden konnte. Die Besteuerung von Goldkäufen macht die Bundesrepublik als Goldmarkt uninteressant, so daß auch viele Deutsche auf ausländische Goldmärkte, vor allem Zürich, ausweichen. Alle Bemühungen, die Mehrwertsteuer bei Goldkäufen zu Fall zu bringen, blieben bisher ohne Erfolg.

Während in normalen Zeiten etwa 120 bis 150 Tonnen Gold jährlich in die Bundesrepublik eingeführt werden, wurde die gleiche Menge in den drei Monaten vor der Spaltung des Goldmarktes importiert. Etwa die Hälfte der Importe ist für die Schmuckindustrie und industrielle Verarbeitung bestimmt.

Da der Privatbesitz von Gold in den USA und Großbritannien verboten ist, hat sich die Spekulation in diesen Ländern auf Silber verlagert, das gleichfalls einen kräftigen Preisanstieg erzielte. In der Bundesrepublik stieg der Kilopreis innerhalb der letzten eineinhalb Jahre von 172, 10 Mark auf 300 Mark. Durch diese Wertsteigerung sind Schweizer Silbermünzen und der niederländische Silbergulden zu begehrten Objekten geworden. Der Silberwert einer Schweizer Einfrankenmünze beträgt inzwischen 1,30 Franken, so daß Spekulanten Automatenbetrieben angeboten haben, 100 Einfrankenstücke für 110 Franken abzukaufen.

Die Münzen werden ins Ausland zum Einschmelzen gebracht. Die Schweizer Nationalbank hat die Degussa gebeten, keine Aufträge für Einschmelzungen mehr anzunehmen. In der Bundesrepublik ist ebenso wie in der Schweiz nur das Einschmelzen einheimischer Münzen verboten, nicht aber das von ausländischen Zahlungsmitteln. An der holländischen Grenze wurde die Abgabe von Einguldenmünzen rationiert. mh.