Die marxistische ökonomische Theorie, bis zur Gründung des ersten sozialistischen Staates, setzte voraus, daß mit dem Untergang des Kapitalismus auch die Ware-Geld-Beziehungen verschwinden. Kurz nach der Gründung der Sowjetunion, zum Ende der Epoche des sogenannten Kriegskommunismus, erkannte aber Lenin, daß es unmöglich war, die Marktbeziehungen zu beseitigen und betonte die Notwendigkeit ihrer Ausnutzung für die Sicherung der Entwicklung der sowjetischen Wirtschaft. Er brachte aber ihre Existenz vor allem mit der Existenz der umfangreichen privaten Kleinproduktion, vor allem in der Landwirtschaft, in Verbindung.

Nach der allgemeinen Kollektivierung der Landwirtschaft zeigte sich, daß die Marktbeziehungen auch weiterhin erhalten bleiben und ausgenutzt werden müssen. Stalin leitete diese Notwendigkeit von der Existenz der genossenschaftlichen Produktion (vor allem in der Landwirtschaft) ab, die sich „als weniger konsequente Form der sozialistischen Produktion und des sozialistischen Eigentums Marktbeziehungen mit der staatlichen sozialistischen Produktion erzwang“. Entsprechend dieser Theorie wurden die Marktbeziehungen als geduldetes Überbleibsel der Vergangenheit angesehen, das so schnell als möglich aus der sozialistischen Ökonomik verschwinden muß.

Nach Stalins Tod setzte sich zwar die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Existenz der Ware-Geld-Beziehungen auch zwischen den staatlichen Betrieben durch, doch gelang es praktisch nicht, Stalins Begründung der Existenz dieser Beziehungen zu widerlegen. Das konnte auch die sogenannte „Verteilungstheorie“ nicht. Außerdem verlangte diese Theorie keine Veränderung der vorherrschenden Austauschformen und der in der Wirtschaftspraxis herrschenden administrativen Leitungsformen, die die Marktbeziehungen weiterhin unterdrückten und formalisieren.

Diese administrativen Formen der Planung und Leitung der Wirtschaft wurden nach dem Zweiten Weltkrieg auch in der sozialistischen Wirtschaft der ČSSR angewandt. Sie sicherten hier ein schnelles, extensives Wachstum der Produktion und einige Jahre auch eine schnelle Erhöhung des Konsums und des Lebensniveaus der Bevölkerung. Sie führten aber zur Beibehaltung dieser extensiven Entwicklung, als die Quellen für eine solche Entwicklung erschöpft waren. Durch die Beibehaltung dieser Konzeption entstanden große Wirtschaftsverluste.

Die Entwicklung der tschechoslowakischen sozialistischen Wirtschaft in den letzten Jahren zeigt die unausbleibliche Notwendigkeit, das negative extensive Wachstum zu überwinden und zu einer hocheffektiven Entwicklung überzugehen.

Die Grundlage des Übergangs zur intensiven Wirtschaftsentwicklung in der ČSSR ist unter den heutigen Bedingungen die Durchführung von grundsätzlichen strukturellen Veränderungen in der Produktion und die Sicherung einer qualitativen Entwicklung der Produktionsfaktoren.

Erste Voraussetzung dafür ist die Abschaffung des administrativen Systems der Planung und Leitung, das nicht nur durch die Labilität seiner langjährigen Pläne der Produktion die direkte Perspektive nahm, sondern auch einseitige, vor allem quantitativ und unökonomisch ausgerichtete Tätigkeit und Interessen hervorrief. Das administrative Leitungssystem kann sich nur auf ein extensives Wachstum der Produktion orientieren; ja sein unökonomischer Charakter bewirkt darüber hinaus eine untragbare, ökonomisch negative extensive Entwicklung mit großen Wirtschaftsverlusten. Die Folgen sind überflüssige Investitionen – respektive zu teurer Produktionszuwachs, überflüssiger Materialverbrauch, Verhinderung der technischen und qualitativen Vorwärtsentwicklung, wachsende Disproportionen respektive ständige Engpässe, Zurückbleiben der Dienstleistungen, der Wissenschaften, der Forschung, des Schulwesens, Einschränkung des Konsumzuwachses der Bevölkerung, Nivellierung in der Entlohnung, was wiederum eine qualitative Entwicklung hemmt.