Von Ferdinand Ranft

Die Verlockung durch blonde Schwedinnen ist es offenbar nicht. „Diesen Reiz gibt es jetzt in jedem Urlaubsdorf“, meinte ein Jugendreisen-Manager, der es wissen muß. Woran mag es dann wohl liegen, daß jugendliche Urlauber in diesem Jahr mehr als bisher in den hohen Norden streben? Die Auslandsstelle des Deutschen Bundesstudentenringes in Bonn hatte im vergangenen Jahr ihre Teilnehmer gefragt: „In welches Land möchten Sie am liebsten verreisen?“ Und die Mehrzahl hatte sich für Skandinavien entschieden. Flugs nahm man zwei Reiseziele mehr ins Programm und erhöhte die Bettenzahl für Reisen nach Skandinavien um 30 Prozent.

Fragt man nach den Gründen für diesen Sinneswandel unter jungen Touristen, so erfährt man, daß es die Sehnsucht nach Einsamkeit sei. Offensichtlich haben viele den Massentourismus in den südlichen Ländern satt, sie wünschen einen individuelleren Urlaub, in kleineren Hotels mit nur zwanzig bis dreißig Betten. Man verspricht sich von Skandinavien mehr Ruhe. Man hat Sehnsucht nach Wäldern und Seen. Selbst die Sonne, die bisher Hauptanziehungspunkt für die südlichen Länder war, hat an Popularität eingebüßt. Plötzlich entdecken die Reisenden, das nördliche Klima sei gesünder und den wütenden Sonnenbädern vorzuziehen. Einige Jugendreisebüros berichten, daß die Unruhen in Griechenland und das Erdbeben auf Sizilien manche Touristen abgeschreckt hätten: „So etwas merken sich die Leute lange.“

Demgegenüber sind die Stimmen gering, die Skandinavien eine kleinere Chance im Jugendtourismus einräumen. Der Club 28 und Paneuropa in München haben mit Skandinavien schlechte Erfahrungen gemacht. Wahrscheinlich lag dieser Mißerfolg am Preis. Die nordischen Länder sind nicht billig. In diesem Jahr haben aber nun einige Jugendreisebüros Reiseangebote in ihrem Programm, die mit südlichen Ferienzielen konkurrieren können.

An einem der mittelschwedischen Seen liegt das europäische Jugendlager Tranas. Hier werden in diesem Sommer erstmals Jugendliche aus Deutschland und Skandinavien gemeinsame Ferientage verleben: Sport, Wanderungen und eine Fahrt nach Stockholm. Die Unterbringung ist einfach: Geräumige Vierbettzelte mit Holzböden, Zeltschränken, Feldbetten und Wolldecken. Die vierzehntätige Bahnreise mit Vollverpflegung einschließlich Benutzung der Sporteinrichtungen kostet ab Köln 365 Mark. Veranstalter: Jugendfahrtendienst Köln, Deutsche Gesellschaft für Internationalen Jugendaustausch, Bonn, Auslandsstelle des Deutschen Bundesstudentenringes, Bonn.

„Eine Anzahl junger Leute wünscht sich im Urlaub sportliche Betätigung, dafür gibt es in Skandinavien einige Möglichkeiten.“ Für solche Wünsche bietet sich die Insel Hankö im östlichen Oslo-Fjord in der Nähe von Fredrikstad an. Hier kann man baden, Tennis spielen, reiten, segeln. Die Bahnreise ab Düsseldorf mit einem vierzehntägigen Aufenthalt bei voller Verpflegung einschließlich der Benutzung der Sportanlagen kostet 560 Mark. Dafür schläft man im Fjord-Hotel in Doppel- und Dreibettzimmern (Auslandsstelle des Deutschen Bundesstudentenringes).

Das Stichwort „weg von der Zivilisation“ ist wohl ein weiteres Skandinavien-Motiv. Völlig auf Komfort wollen die jungen Urlauber aber nicht verzichten. In der Mitte zwischen diesen Wunschvorstellungen liegt das Jagdhüttendorf Kantojärvi in Finnland. Hier kann man den Spuren von Bären folgen, nach dem abendlichen Schwitzbad in einer Heißluft-Sauna direkt in den See oder in den Swimming-pool vor der Hotelterrasse springen. Untergebracht sind die Teilnehmer im benachbarten Feriendorf aus hölzernen Jagdhütten. Vierzehntägiger Aufenthalt ab Düsseldorf 469 Mark (Auslandsstelle des Deutschen Bundesstudentenringes, Katholisches Jugendferienwerk, Wuppertal).