Sie genoß die Verehrung eines lebenden Mythos und wurde hinter der Hand belächelt. Die Jugend begeisterte sich für sie fast noch mehr als die rührenden alten Damen unter den Traditions-Abonnenten. Sie spielte für Kaiser, Führer und Präsidenten, war eine Löwin am Klavier und eine Priesterin, legte mit dem weißen Spitzentaschentuch auch den Geist des Heiligenstädter Testaments und der Bettina-Briefe neben die Tasten. Ihr Beethoven-Bild war das der Jahrhundertwende und wurde das eines Jahrhunderts – sie kultivierte den „leidenden Titanen“. Sie spielte eine erkleckliche Summe für das Beethoven-Heiligtum in Bonn ein und durfte bei dessen Eröffnung nicht spielen, sie war die Partnerin von ausgezeichneten Musikern und weinte entrückt beim langsamen Satz von Beethovens Fünftem, sie förderte manches Talent und griff souverän neben die Tasten. Am 9. März spielte sie ihr letztes Konzert, am Sonntag ist Elly Ney in Tutzing gestorben.