1968 wird der neue Ost-West-Tourismus fünf Jahre alt. Er begann im Jahre 1963 mit der Öffnung des Eisernen Vorhangs durch die Prager Regierung, der sich im selben Jahr Rumänien und Bulgarien anschlössen. Ungarn folgte bald. Polen unternahm einen schüchternen Versuch, den es jedoch rasch beendete, als die Warschauer Regierung feststellte, daß die meisten Touristen aus der Bundesrepublik kamen und vor allem die alten deutschen Ostgebiete aufsuchten. Die Sowjetunion wirbt seit 1964/65 in Mitteleuropa für Besuchsreisen. Sogar Albanien schloß sich diesem neuen osteuropäischen Trend an.

Jugoslawien war ihm vorausgeeilt. Die dalmatinische Adriaküste war schon zu Beginn der sechziger Jahre ein Reiseziel der Mittel- und Westeuropäer, die zu schätzen wußten, daß Jugoslawien ein billiges Urlaubsland war (und noch immer ist).

Die Öffnung der sozialistischen Länder für den Fremdenverkehr ist zu einem Bestandteil der Liberalisierung der beiderseitigen Beziehungen geworden. Die Angst vor dem Nachbarn wurde zuerst von den Touristen abgebaut. Die Europäer entdeckten wieder das ganze Europa. Die Politiker folgten dem touristischen Trend.

Das andere Deutschland verschloß sich am längsten dieser Entwicklung. Die DDR mußte freilich aus Rücksicht auf die Wünsche seiner Verbündeten, vor allem der ČSSR, Konzessionen machen: Der Transitverkehr von und nach Westberlin, von und nach Stettin und Rügen blühte auf. Auch Ausländer suchte man durch den Bau von modernen Inter-Hotels als Touristen zu gewinnen, während man die eigenen Landsleute aus Westberlin und der Bundesrepublik fast völlig davon ausschloß.

Die Bulgaren bauten die Schwarzmeerküstc zu einem Ersatz für die Riviera aus. In kurzer Zeit entstanden die großen Fremdenverkehrszentren zwischen Burgas und Varna, in Rumänien zwischen Mangalia und Mamaia.

Heute hält die Tschechoslowakei im Ost-West-Tourismus die Spitze. Es folgen Bulgarien, Rumänien, Ungarn, die Sowjetunion, Polen und Albanien.