Nach Meinung der Angler gibt es bestimmte Tageszeiten, an denen Fische besonders freßlustig sind, folglich auch am ehesten anbeißen. Zweifel an der Richtigkeit dieses Anglerglaubens meldeten die beiden achtzehnjährigen Schüler Bernhard Obele und Klaus Ascher vom Karlsgymnasium in Stuttgart-Rot an. Jedenfalls haben ihre Experimente mit einer Karausche – auch Schneiderkarpfen genannt – ergeben, daß dieser Fisch keine festgelegten Freßzeiten hat.

Ansonsten aber ist der Tageslauf auch eines Fisches geregelt. Dafür sorgt eine „innere Uhr“, deren Existenz die Stuttgarter Gymnasiasten experimentell bestätigten. Sie wiesen nach, daß die Karausche immer um elf Uhr vormittags am lebhaftesten ist, ihre Aktivität also einen Tagesrhythmus erkennen läßt. Ein solcher „circadianer“ (von circa = ungefähr, und dies = der Tag) Aktivitätswechsel ist bei vielen Tieren – auch beim Menschen – beobachtet worden, doch bisher noch nicht bei Fischen, erklären die jugendlichen Forscher, die es jetzt mit einer spitzfindigen Experimentier-Anordnung taten und dabei feststellten: Die innere Uhr der Karausche wird vom Licht-Dunkel-Wechsel auf die 24stündige Periodik synchronisiert. Fehlt diese Steuerung, dann geht die Uhr falsch; bei ständiger Dunkelheit zum Beispiel verlängert sich das Zeitintervall zwischen zwei Aktivitätshöhepunkten von 24 auf 25 Stunden.

Dieses Ergebnis und noch einige Details über „Schwierigkeiten“, die der Fisch überwinden muß, ehe er sich an veränderte Beleuchtungsverhältnisse anpaßt, demonstrierten Bernhard Obele und Klaus Ascher beim Stern-Wettbewerb „Jugend forscht“, an dem sich in diesem Jahr 650 Mädchen und Jungen mit naturwissenschaftlichen, mathematischen und technischen Arbeiten beteiligten. Am Donnerstag voriger Woche wählte die 26köpfige Wissenschaftler-Jury unter den 74 Landessiegern die Bundessieger aus. Die beiden Stuttgarter Fischforscher erhielten bei der Abschlußfeier für die diesjährige Jungforscher-Olympiade den ersten Preis für eine Gruppenarbeit auf dem Gebiet der Biologie, 5000 Mark, gestiftet von der Max-Planck-Gesellschaft.

Dreitausend Mark und eine Einladung zum internationalen Wettbewerb der jungen Forscher, der „Science Fair“ in der amerikanischen Auto-Stadt Detroit, erhielt jeder der fünf Einzelsieger in den Klassen Biologie, Chemie, Physik, Mathematik und Technologie.

Peter Ruzicka, 19 Jahre alt, Schüler des Gymnasiums Wartenau in Hamburg, gehört zu den Glücklichen, weil die Jury seine „binauralen Hörversuche“ und seine Deutung der Versuchsergebnisse zur besten Physikarbeit kürte.