A. d. F., Rom, im April

Der Vatikan will den Dialog mit Prag fortsetzen. Die Liberalisierungstendenzen des neuen Parteichefs Dubček ermuntern ihn dazu. Offiziell sind die 1963 von Monsignore Casaroli, dem „Außenminister“ des Papstes, eingeleiteten Verhandlungen über einen Modus vivendi für die katholische Kirche in der Tschechoslowakei nie völlig abgebrochen worden. Der Vatikan hatte sie – nach den letzten Kontakten im Juni 1967 – nur langsam einschlafen lassen.

Das Haupthindernis für die „Normalisierung“ des Verhältnisses zwischen Rom und Prag waren bislang die „Friedenspriester“, die dem kommunistischen Regime mehr gehorchten als der Kirche. Inzwischen ist diese Bewegung aufgelöst und ihr Chef, Joseph Plojhar, abgesetzt worden. Dieser von Papst Pius XII. de jure exkommunizierte Priester verlor auch seinen Posten als Gesundheitsminister. Den Platz der „Friedenspriester“ hat eine neue Organisation – die „Nachkonziliare Bewegung“ – eingenommen. Damit ist der Weg zur Wiederaufnahme der Gespräche zwischen Rom und Prag frei.

Gegenwärtig halten sich aber noch keine Emissäre des Papstes in der Tschechoslowakei auf. Bei den Verhandlungen ginge es, so heißt es im Vatikan, nicht nur um die Besetzung der seit Jahren vakanten neun (von dreizehn) Bistümer, sondern auch um die Wiedereinsetzung von 1500 Priestern in ihre Pfarreien. Diese Priester waren zur Handarbeit gezwungen worden. Der jetzige päpstliche Administrator des Erzbistums Prag, Frantisek Tomasek, seit 1949 Bischof, war zunächst eingekerkert und wurde dann als Arbeiter in einer Molkerei beschäftigt. Später durfte er eine Pfarrei leiten und nach seiner Ernennung zum päpstlichen Administrator als Bischof amtieren. Der rechtmäßige. Erzbischof von Prag, Joseph Beran, der sich geweigert hatte, dem Regime den Treueeid zu schwören, wurde „interniert“, Oktober 1963 aus der Haft entlassen und Anfang 1965 von Monsignore Casaroli nach Rom gebracht, wo er bald danach den Purpur erhielt.

Der „Osservatore Deila Domenica“, die Sonntagsausgabe des Vatikanblattes, schrieb in der letzten Nummer: „Die Wendung der Dinge in der Tschechoslowakei muß in dem Maße begrüßt werden, in dem sie für die Völker, die in diesem Staat leben, die Möglichkeit bringt, tiefer Atem zu holen. Aber es wäre ein Irrtum, an eine Wandlung des Kommunismus zu glauben.“ Mit diesem skeptischen Realismus verfolgt der Vatikan die Prager Vorgänge. Er ist willens, dem neuen Regime für eine akzeptable Koexistenz die absolute Neutralität im politischen Bereich zu bieten.