Mit einer Serie von personalpolitischen Entscheidungen hat das Zentralkomitee der kommunistischen Partei am vorigen Wochenende den Reformkurs der CSSR weiter gefestigt. Das Führungsgremium

•wählte in geheimer Abstimmung fünf „gemäßigte Reformer“ wie den Arzt Kriegel und den früheren Forstminister Smrkovsky in das Präsidium des ZK, das von 14 auf 11 Mitglieder verkleinert wurde;

  • nominierte Oldrich Cernik, bisher Vorsitzender der Planungskommission, zum neuen Ministerpräsidenten (die bisherige. Regierung unter Lenart trat zurück);
  • schlug Smrkovsky zum neuen Präsidenten der Nationalversammlung und Kriegel zum neuen Vorsitzenden der Nationalen Front vor, die den Arzt am Montag wählte.

Cernik wurde von Staatspräsident Svoboda mit der Regierungsbildung beauftragt. Seine Sondierungen erstreckten sich auch auf die (nichtkommunistische) Sozialistische und auf die Volkspartei, die – von KP-Chef Dubček ermuntert – ein stärkeres Mitspracherecht verlangen.

Bereits am Montag wurde das neue Kabinett vereidigt. Ihm gehören so entschiedene Vertreter des „Neuen Weges“ an wie der Wirtschaftstheoretiker Ota Sik (als Stellvertretender Ministerpräsident), der frühere UN-Botschafter Hajek (als Außenminister) und der Organisator des vielgerühmten CSSR-Pavillons auf der Weltausstellung in Monreal und Ex-Botschafter in London, Galusska (als Kultusminister).

In Polen gingen die Säuberungen weiter. Außer dem Leiter der staatlichen Theater- und Filmhochschulen in Lodz, Jerzy Toeplitz, wurden am Wochenende fünf weitere Intellektuelle aus ihren Ämtern entlassen. Der polnische Staatspräsident Ochab (61) kündigte aus Gesundheitsgründen seinen Rücktritt an.