Karl Schillers Beauftragter für den Bergbau muß die Frage nach der Zukunft der Kohle beantworten. Je eher, desto besser.

Ein böser Verdacht hat sich nicht bewahrheitet: Mit dem Kohleanpassungsgesetz wer- de es nun nichts mehr, nachdem Bergleute wieder Mangelware sind. Nein, dieser Verdacht war unbegründet – auch ohne den Druck demonstrierender Ruhrkumpel hat der Bundestag in der vergangenen Woche das Kohleanpassungsgesetz verabschiedet. (Siehe auch Seite 42)

Damit hat Karl Schiller endlich ein Instrument in die Hand bekommen, daß es ihm möglich macht, anders als nur mit Appellen an die Vernunft die Geschicke des Bergbaus zu lenken. Die zentrale Figur wird dabei der Bundesbeauftragte für den Witschen Steinkohlenbergbau und die deutsche Steinkohlenbergbaugebiete“ sein, ein Mann, der mit der goldenen Peitsche arbeiten soll.

Noch ehe man genau weiß, wer dieser Mann sein wird, hat er an der Ruhr seinen Namen weg: Kohlekommissar. Dieser Begriff ist mit Bedacht gewählt, verleitet er doch förmlich zu unangenehmen Assoziationen.

Es besteht kein Zweifel – mit offenen Armen wird dieser Mann an der Ruhr nicht empfangen werden. Denn er soll ja etwas vollbringen, was der Bergbau in mehr als zehn Jahren Kohlenkrise aus eigener Kraft nicht vollbracht hat: Die Kohle so billig wie möglich zu fördern und gleichzeitig die Förderung an den Absatz anzupassen.

Zu einer solchen Lösung hat sich der Bergbau erst in jüngster Zeit und unter bestimmten Bedingungen bereit erklärt. Voraussetzung für die Zusammenfassung der Unternehmen unter einheitlicher Leitung nach dem Muster des sogenannten Rheinstahl-Plans sollte nämlich eine staatliche Ertragsgarantie sein. Allerdings war der Bergbau der Auffassung, daß die öffentliche Hand nur dann aus ihrer Bürgschaft in Anspruch genommen worden wäre, wenn sie den „Datenkranz“ der Hilfsmaßnahmen verändert hätte.

Dieser Spieß wird durch das Kohleanpassungsgesetz umgekehrt. Wer nicht nach der Pfeife von Karl Schillers Kohlebeauftragtem tanzt, soll keine Subventionen mehr bekommen. Daraus konstruieren einige Kommentatoren eine Sünde wider den Geist der Marktwirtschaft – und verkennen sträflich, was Ursache und was Wirkung ist.