Von Ruth Herrmann

Vor fünfeinhalb Jahren war der „Evangelische Werbung Vocamus e. V.“ gegründet worden – jetzt hat er sich aufgelöst.

„Vocamus“ wollte mit Methoden moderner Industriewerbung diejenigen in die Kirchen zurückrufen, die ihnen fernblieben. Doch der Verein hatte keinen Erfolg. Das Werbeteam, aus Theologen und einigen Fachleuten für Werbung zusammengesetzt, hatte mit Elan versucht, alten Sinn in neue Formen zu gießen. Was dabei herauskam, stieß manchen Gläubigen ab und zog weder Mitläufer noch Ungläubige an. Was die Fachleute für wirkungsvolle Reklame hielten, wirkte oft komisch. Mit einem Sprung sollten die Umworbenen von der Misere ihres Alltags in den verlorenen Gottesfrieden zurückfinden :

„Gelobt sei das Beruhigungsmittel. Was die Arzneimittel-Chemiker auf diesem Gebiet vollbracht haben, ist bewunderungswürdig. Man kann sich für Stunden beruhigen, wenn man aufgeregt und hilflos ist. Aber Ruhe und Frieden sind damit nicht endgültig zu erkaufen. Haben Sie es jemals mit dem Gebet versucht?... Brauchen Sie Anleitung und Hilfe für das Gebet, schicken Sie uns bitte den ausgefüllten Gutschein. Sie können die Broschüre (,Das Gebet, Quelle der Kraft’) auch unter einem Kennwort und postlagernd anfordern.“

Ein Gebet wurde angeboten wie ein Mittelchen aus der Alchimistenküche. Die Kirchen wurden dadurch nicht voller, auch nicht durch Jazz und Tanz, die Gottesdienste nicht anziehender, wenn sie, auf Campingplätzen gehalten, auch in Badehose und Bikini besucht werden curften.

Die Kirchenleute wissen das jetzt. Sie klagen klugerweise auch nicht die Unfrommen an. Pastor Wilken, der Leiter des Amtes für Öffentlichkeitsdienst der Hamburgischen Landeskirche, sagt: „Wir haben in den ersten Jahren eben zuviel handgestrickt. Die Eierschalen von damals und mancher Blödsinn liegen hinter uns. Mit Jugendstil-Aufbruchs-Elan geht es eben nicht; man kann nicht auf einmal das Ganze wollen und erwarten, daß die Leute gleich alle wieder an den lieben Gott glauben. Die Kirchen können sich nur peu à peu wieder füllen.“

Die neue Parole heißt: Werbung der kleinen Schritte, Werbung nicht gleich für das Christentum, sondern für einzelnes, das die Kirche – oder: eine Kirche – bietet.