Von Joshua Lederberg

Die Moral biologischen Experimentierens ist in den letzten Monaten wieder zum Thema öffentlichen Interesses geworden. Dieses Interesse rührt von der ungeheuren Publizität her, die so fortschrittliche Taten wie die Herztransplantation erfahren haben – doch es scheint indessen einen viel deutlicheren Bezug zu Experimenten zu haben, die weltweite Gefahren in sich bergen; sie werden meist geheim betrieben und entziehen sich offenbar jeglicher traditioneller medizinischer Ethik.

Die Nachrichten, die mich zu diesen Gedanken veranlassen, kommen aus Skull Valley im amerikanischen Staate Utah, einem Ort, der sich in der Nähe eines militärischen Experimentiergeländes befindet. Dort starben unlängst einige Tausend Schafe, plötzlich und unter mysteriösen Umständen. Noch immer sind die verantwortlichen militärischen Stellen dabei, den Fall aufzuklären; sie widersprechen natürlich der Vermutung, daß da Experimente fehlgeschlagen seien.

Freilich, eine unabhängige Untersuchung steht in einem derartig strengen Sicherheitsbestimmungen unterworfenen Areal nicht zur Debatte. Unter diesen Umständen bleibt völlig ungeklärt, auf welche Weise man an einen wirklich glaubwürdigen Bericht über den Vorfall herankommen kann, wie immer die Tatsachen aussehen.

Wenn dieses Ereignis, über die zufällige Auslösung einer starken chemischen Waffe hinaus, keinerlei Verwicklung nach sich zöge, wenn die Gefahren unter jeden Umständen auf ein paar tausend Menschen beschränkt blieben, könnte man es sozusagen als eine Begleiterscheinung des Krieges abtun; dann nämlich unterschiede sich das Risiko des Zufalls nicht gar so sehr von dem bei hochexplosiver Munition, die gelegentlich in großen Mengen herumtransportiert wird.

Traurigerweise aber zählt zu den Wahnsinnstaten, die auf der Jagd nach militärischer Sicherheit unternommen werden, auch das weltweite Wettrennen um die Erforschung und Entwicklung biologischer Waffen. Weil ja die Russen oder die Chinesen ausgefallene Bakterien und Viren erforschen könnten, muß Amerika dasselbe tun, aus reiner Selbstverteidigung – so lautet die Rechtfertigung. Und natürlich reagieren die Russen und die Chinesen auf amerikanische Geheimprogramme genauso.

Diese fieberhafte Arbeit zielt auf einen Großaufmarsch der verderblichsten Feinde des Menschen, die er entdecken oder erfinden kann. Unsere persönliche Sicherheit hängt also vom Umfang des technischen Vermögens jener ab, die für die Forschung verantwortlich sind. Von außen her kann man das nicht beurteilen; doch es ist ziemlich sicher, daß die Techniker, die nun einmal bereit sind, auf diesem Gebiet zu arbeiten, von einer merkwürdigen Gleichgültigkeit sind. Das heißt: Wir müssen, da wir keine sachliche und vorurteilsfreie Kontrolle von anderer Seite erwarten können, unerbittlich hart sein in unserer Kritik wenigstens an jenen Fehlern, die in die Öffentlichkeit durchsickern.