Von Max E. Ammann

Mit einem bunten und aufwendigen Unterhaltungsspektakel wurde am 11. Februar der neue Madison Square Garden eröffnet. 19 870 Zuschauer zahlten bis zu 250 Dollar pro Eintrittskarte, um bei der Einweihung der vierten Ausgabe des berühmten Sportpalastes dabeizusein und gleichzeitig das erste gemeinsame Auftreten seit 25 Jahren von Bob Hope und Bing Crosby zu erleben – zwei der beliebtesten und dauerhaftesten Persönlichkeiten des amerikanischen Showbusiness.

Diese Programmierung zur Eröffnung des neuen Garden ist ein Hinweis darauf, daß der neue Garden nicht mehr ein reiner Sportpalast, sondern ein Zentrum für Massenunterhaltung sein wird. Diese kommerzielle Absicht der Bauherren, der Madison Square Garden Center Corp., zeigt sich nicht nur bei der Programmauswahl, sondern auch beim Gebäude selbst.

Der neue Garden ist ein imposantes Bauwerk, aber es ist weder baulich Avantgarde noch ein Prunkstück hoher Architekturkunst. Selbst das neuartige, an Kabeln aufgehängte Dach (wodurch die sichtbehindernden Pfeiler wegfallen) ist kaum mehr als eine faszinierende technische Neuerung. Alles am neuen Garden ist auf Zweckmäßigkeit ausgerichtet – von den vinylüberspannten Stuhlreihen in verschiedenen Farben, die den gleichfarbigen Eintrittskarten entsprechen, bis zu den gewaltigen Rolltreppen, die die Besucher rasch und sicher in die verschiedenen Stockwerke bringen und die eine Entleerung des Gardens in weniger als einer halben Stunde erlauben. Während Pier Luigi Nervi für die Olympischen Spiele in Rom und Kenzo Tange für die Spiele in Tokio architektonisch hervorragende Stadien schufen, wählten die Madison-Square-Garden-Bauherren einen für alle Veranstaltungen passenden Zweckbau. Von außen sieht der neue Garden imponierend aus, aber im Innern kann man sich einer leichten Ernüchterung nicht erwehren, wenn man erkennt, wie rein zweckmäßig Sport, Kunst und Show an die Massen abgefüttert werden.

Vergleicht man aber den neuen, vierten Garden mit seinem Vorgänger, so stellt man fest, daß sich seit 1925, als der dritte Garden eröffnet wurde, die Vorstellungen über Massenunterhaltung doch zum Guten gewandelt haben. Der dritte Garden, ein häßlicher Betonklotz, war mit seinen unbequemen Holzsitzen, davon die Hälfte sichtbehindert, seinen unendlichen Betontreppen und unhygienischen Würstchenständen beinahe ein Alptraum gewesen, von dem sich der neue Garden – trotz der Vorbehalte – vorteilhaft abhebt.

Vom Bahnhof zur Arena