Vagelis Tsakiridis, der in Westberlin lebende griechische Bildhauer und Dichter, wollte Deutscher werden. Der Berliner Senat im Verein mit dem Bonner Innenministerium lehnte seinen Antrag ab. Es waren politische Gründe, die sie dazu bewogen. Der Künstler, der seit 1959 in Deutschland arbeitet und lehrt, weigerte sich, in seiner Heimat der Wehrpflicht nachzukommen: ein Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen. Als die Obristen in Athen das Ruder ergriffen, zog Tsakiridis erst recht nichts mehr in seine Heimat. Nach einem langen Kampf mit den Behörden gewährte ihm die Bundesrepublik schließlich Asylrecht. Einen Paß mit deutscher Staatsangehörigkeit aber verweigerte sie ihm.

Nun hat auch das Bundesverwaltungsgericht in letzter Instanz die behördlichen Entscheidungen im Fall Tsakiridis für rechtens erklärt. So schnell wird ein Grieche, auch wenn er deutsche Gedichte schreibt, seine Familie ernähren kann und der Fürsorge nicht zur Last fällt, nicht Deutscher. Mag seine Einbürgerungsbitte auch einleuchtend sein, die Staatsräson geht vor; das Gericht hat sich dadurch in einer Ermessensfrage zur Engherzigkeit verführen lassen. Staatsräson verlangt im Fall eines Griechen offenbar, daß auf die Obristen in Athen – die Partner eines Militärpaktes – Rücksicht genommen wird. Auch dann, so möchte man fragen, wenn dieser Partner selbst das Recht mit Füßen tritt? v. K.