Auch in Kenia werden wir demnächst das Vergnügen haben, in deutschen Hotels und deutschen Betten zu schlafen, von deutschen Geschäftsführern begrüßt und von deutschen Köchen bekocht zu werden – dank der Initiative der „Deutschen Hotelgesellschaft für Entwicklungsländer“ (DHG), dank der Großzügigkeit der bundesdeutschen Regierung. Und wenn alles gut funktioniert, werden wir in einigen Jahren auch in Akaba und Bukavu, Quemoi und Khe Sanh deutsch wohnen können.

Die „Deutsche Hotelgesellschaft“ wurde Anfang 1967 gegründet. Ihr Stammkapital beträgt zur Zeit eine Million Mark. „Aufgabe der DGH ist insbesondere die Errichtung und der Betrieb von Hotels und sonstigen Einrichtungen zur Förderung des Tourismus in Entwicklungsländern auf privatwirtschaftlicher Grundlage.“ (Aus einem Prospekt der Gesellschaft.)

An der Hotelgesellschaft sind die „Deutsche Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit“ als Finanzier, die „Touropa“ sowie „Scharnow-Reisen“ als Reiseunternehmen und die „Deutsche Lufthansa“ beteiligt.

Projekt Nr. 1 der Hotelgesellschaft ist eine Hotelkette von insgesamt 400 Betten in Kenia: zwei Häuser mit je 100 Betten in den Nationalparks und ein Küstenhotel in Mombasa. Bei diesem Projekt sind wiederum – zusammen mit der DHG und ihren Trägern – die englische Entwicklungsgesellschaft „Commonwealth Development Company“ (zusammen mit der BOAC) und die „Intercontinental Hotel Corporation“ (Tochter der PAA) beteiligt. Nach dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ wollen sie den Busch erschließen.

Die Idee, daß sich Hotelgesellschaften mit R;iseunternehmen und Fluggesellschaften liieren, ist nicht neu. Sie ist auch logisch. Wer reist, will am Ziel oder an der Zwischenstation eine gute Unterkunft vorfinden.

In den Entwicklungsländern sind jedoch solche hohen Investitionen ein gewagtes Unternehmen – wie das Beispiel Nigeria zeigt. Dieser Staat galt jahrelang als solide und krisenfest und reizte zu Investitionen. Dann kam der Krieg zwischen der Ost- und der Westregierung. Niemand weiß so recht, was aus der Muster-Demokratie werden wird. Außerdem geht in Afrika das Wort vom „Neo-Kolonialismus“ um. Einerseits brauchen die afrikanischen Länder fremdes Geld für Investitionen, andererseits wissen sie genau, daß neue Geldgeber neue Abhängigkeiten und neue Herren mit sich bringen. Herren wollen sie aber nicht – vor allem keine weißen Herren.

Kleinere Unternehmer, die lange im Land zu Hause sind, haben diese Imponderabilien einkalkuliert. Sie arbeiten in der Regel mit kleiner Flamme, die – unter den gegenwärtigen Verhältnissen – den Topf ganz gut am Kochen hält. In Kenia sagen diese Leute zum Beispiel: „Fünf Jahre wird es bestimmt noch gutgehen. In fünf Jahren haben wir genug verdient. Was danach ist, weiß hier niemand Sie sagen das, obwohl die Verhältnisse als stabil bezeichnet werden. Sie fragen aber auch: „Was kommt nach Kenyatta Niemand weiß es.