ZEIT: Herr Bösenberg, eine Firma wie IBM legt Wert darauf, ein multinationales Unternehmen zu sein, und wehrt sich gegen den Vorwurf, als amerikanisch kontrolliertes Unternehmen zu gelten. Nach Johnsons Sparprogramm ist es nun aber so, daß die Investitionspolitik von IBM Deutschland beispielsweise durch einen Akt der amerikanischen Regierung ganz entscheidend bestimmt wird. Das heißt, Sie sind nicht selbständig in Ihren Entscheidungen, Sie sind abhängig von Regierungsbeschlüssen in Washington.

Bösenberg: Nicht mehr als jedes andere Unternehmen, das sich international betätigt. Denken Sie nur zum Beispiel an deutsche Automobilfirmen. Wenn Johnson beschließen sollte, daß von morgen an keine deutschen Autos mehr nach USA importiert werden, dann wird die deutsche Automobilindustrie ganz unmittelbar von Beschlüssen der US-Regierung betroffen und ist von ihnen abhängig.

ZEIT: Wir sprechen nicht von Importbeschränkungen in den USA, wie sie leider auch in anderen Ländern praktiziert werden. Der Unterschied ist doch, daß hier der Präsident der USA einer Firma, die sich als deutsche Firma versteht, ihre Handlungsfreiheit in Deutschland beschränkt. Ist das nicht ein Beweis dafür, daß die Tochtergesellschaften von US-Konzernen eben doch keine deutschen Firmen sind, sondern Weisungen aus ihrem Heimatland unterliegen?

Bösenberg: Importbeschränkungen sind nur ein Beispiel für den möglichen Einfluß amerikanischer Regierungsmaßnahmen auf Unternehmen in Deutschland. Generell kann man sagen, daß jedes Unternehmen mit internationalen Interessen von den Regierungsbeschlüssen der Staaten beeinflußt wird, in denen es tätig ist. Sitz und Kapitaleigentum des einzelnen Unternehmens spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Ich kann deshalb Ihrem Argument wirklich nicht zustim-

ZEIT: Ist es zuviel zu sagen, daß der 2. Januar 1968, der Tag, an dem Johnson sein Sparprogramm verkündet hat, im Grunde ein schwarzer lag für den Begriff der multinationalen Gesellschaft ist?

Bösenberg: Nein. Es ist ja gerade ein Zeichen multinationaler Unternehmensführung, keine einseitigen Abhängigkeiten entstehen zu lassen. Ich könnte mir im Gegenteil vorstellen, daß die Entwicklung zur Multinationalität durch derartige Maßnahmen sogar gefördert wird.

ZEIT: Angenommen, Sie werden durch diese Sparmaßnahmen eingeschränkt in Ihrer Bewegungsfreiheit. Welche Finanzierungsmöglichkeiten sehen Sie für die Zukunft?