Wenn alle Neger in den Vereinigten Staaten sich der Gewalt zuwenden, werde ich es vorziehen, die einsame Stimme zu sein, die predigt, daß dies der falsche Weg ist“, hat Martin Luther King einmal gesagt. Er wiederholt dieses Zitat in seinem neuesten Buch, das soeben auch in deutscher Sprache erschienen ist.

Martin Luther King: „Wohin führt unser Weg? Chaos oder Gemeinschaft“; aus dem Amerikanischen von Hildegard Jany; Econ-Verlag, Düsseldorf; 259 Seiten, 18,– DM.

Diesem Grundsatz ist er bis zu seinem Tode in Memphis treu geblieben. Manche meinten, nicht seiner Gewaltlosenbewegung, sondern den jungen Heißspornen der Black Power gehöre die Zukunft, jenen, die auch in Amerika ein Vietnam schaffen wollen, die den Rassenkampf als Klassenkampf begreifen, in dem nur noch Terror und nackte Gewalt Erfolg versprechen.

King hat sich in diesem Buch mit den Ideen dieser anderen Bewegung, die ihn und seine Gefolgschaft links zu überholen drohte, ausführlich auseinandergesetzt. Ebenso wie Gandhi wehrt er sich gegen das Mißverständnis, als ob Gewaltlosigkeit, passiver Widerstand einem Verzicht auf Kampf gleichbedeutend seien. Im Gegenteil, er hält diese Formen des Kampfes sogar für die mächtigste und aggressivste unter den verschiedenen Möglichkeiten, vor allem aber für die erfolgreichste, und er versäumt nicht, die Bürgerrechts- und Sozialreformen aufzuzählen, die in den Vereinigten Staaten zugunsten der Neger verwirklicht wurden, seit King und seine Freunde 1954 in Montgomery den Busstreik organisierten.

Durch seinen Märtyrertod in Memphis hat der streitbare Pastor und Nobelpreisträger überdies bezeugt, daß zum gewaltlosen Kampf mehr Mut gehört als zum hinterhältigen Guerillaüberfall. Er war vorgewarnt; er hatte schon eine bittere Niederlage in Memphis einstecken müssen, und trotzdem wagte er sich wieder hinein, weil er glaubte, nur so den guten Namen seiner Bewegung retten zu können.

Es wird sich zeigen, ob seine Saat aufgehen wird, ob die Mehrheit der Schwarzen die Logik seines Satzes einsieht, daß es, will man das Los der Schwarzen verbessern, keinen Sinn hat, den Schuldirektor zu ermorden oder die Fabrik zu zertrümmern. Vier Ziele weist er seinen Rassengenossen:

Erstens sollen sie mehr Selbstbewußtsein entwickeln, sich nicht ihrer Rasse schämen;