Die Ermordung des Negerführers Martin Luther King löste n den Vereinigten Staaten eine Welle von Demonstrationen und Brandschatjungen aus. Zu den Beisetzungsfeierlich- keiten wurde als Beauftragter Johnsons Vizepräsident Humphrey entsandt. An Protestveranstaltungen zugunsten der streikenden Müllarbeiter von Memphis nahm Coretta King, die Witwe des ermordeten Nobelpreisträgers, teil. Die amerikanische Polizei reagierte mit äußerster Zurückhaltung auf die Aktivitäten der Farbigen. Wegen der Mordtat von Memphis wurde zum erstenmal seit vierzig Jahren die „Oscar“-Verleihung in Hollywoodverlegt.

Störungen

Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik dankte der deutschen Bevölkerung für ihre Anteilnahme am Tode Martin Luther Kings. In Berlin wurde eine Gedenkkundgebung zu Ehren des farbigen amerikanischen Friedensnobelpreisträgers von mehreren Hundert Studenten mit roten Fahnen gestört. Die Bundesregierung bedauerte die Störung eines Frankfurter Vortrages des Prager Professors Antonin Snejdarek durch eine randalierende Minderheit. Der CSU-Bundestagsabgeordnete und Sprecher der sudetendeutschen Landsmannschaft, Walther Bechner, übte scharfe Kritik an den politischen Sendungen des Fernsehens. In Heidelberg wurde eine Wahlkundgebung mit Herbert Wehner von Studenten heftig gestört.

Solidarität

Oldrich Cernik bildete in Prag die neue tschechoslowakische Regierung. Einigen tschechoslowakischen Studenten wurde die Einreise nach Polen verweigert. Die Prager Karls-Universität lud entlassene polnische Professoren zu Gastvorlesungen ein. Der Rektor und der stellvertretende Rektor der polnischen Theater- und Filmhochschule in Lodz wurden entlassen. Der Volksentscheid über die neue DDR-Verfassung brachte es auf 94,54 Prozent Ja-Stimmen. Als Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen wiederholte Herbert Wehner die Gesprächsbereitschaft gegenüber der DDR.

Aussichten

Indiskretionen über die Geheimgespräche zwischen Vertretern der SPD und der italienischen KP erregten Aufsehen in Bonn und Aufregung in Rom. Unter dem Druck der Wirtschaftskrise und der negativen Nachwahlergebnisse entschloß sich Großbritanniens Premierminister Harold Wilson zu einer linkslastigen Umbildung seines Kabinetts. Zum Nachfolger Lester Pearsons wählte die Liberale Partei Kanadas den 46jährigen Justizminister Pierre Elliot Trudeau. In Kairo bekannten sich der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser und König Hussein von Jordanien zur Notwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens der arabischen Staaten gegen Israel.