Jedes Jahr wird in Schweden eine Steuerliste veröffentlicht. Wer will, kann dieses Buch kaufen und damit feststellen, was sein Nachbar verdient. Die Amerikaner sind stolz auf ihr Einkommen und sprechen gern und ohne Geheimniskrämerei über ihre Gehälter.

In der Bundesrepublik dagegen gehören Gehalt und Tantieme zur Intimsphäre. Sogar Unternehmen oder Institute, die die Struktur von Deutschlands Spitzen Verdiensten untersucht haben, hüten geheimnisvoll die Ergebnisse und geben die Zahlen nur gegen gute Bezahlung an Kunden weiter, die aus der Industrie kommen.

Wer möchte aber nicht erfahren, was der andere verdient? Die Unternehmer – ängstlich bemüht, nicht mehr zu zahlen als nötig ist, sind die ersten, die sich für solche Gehaltsanalysen interessieren. Die Schwierigkeit, zuverlässiges Zahlenmaterial zu erhalten, hat einige Unternehmer sogar veranlaßt, sich zu einem „Ring“ zusammenzuschließen, in dem sie Angaben über die Bezahlung von Spitzenkräften austauschen.

So geben sich die Ford-Werke in Köln und weitere 20 Firmen gegenseitig detaillierte Informationen über Gehälter. Andere Firmen der Chemie und der Mineralölindustrie treffen sich zum Datenaustausch und analysieren alljährlich die Gehaltsstruktur der Manager.

Die Kienbaum Unternehmensberatung in Gummersbach bei Köln hat sich seit vielen Jahren mit diesem Gebiet befaßt und stellt Industriefirmen ihre Untersuchung über die Gehaltsstruktur im Topmanagement zur Verfügung. Allerdings müssen sich die Kunden mit Angaben über die Verdienste im eigenen Betrieb an der Kienbaumschen Analyse beteiligen. Sie müssen sich außerdem verpflichten, das Material an keinen Dritten weiterzugeben. So kann Kienbaum inzwischen mehr als 600 Unternehmen beurteilen.

Die Arbeitsgemeinschaft für Gehaltsforschung in Köln befragte im Jahre 1966 etwa 710 Manager. Die Analyse – sie kostet 1800 Mark – ist für den „kleinen Manager“ zu teuer. Die Untersuchung war speziell für die Großunternehmen gedacht.

Alle Untersuchungen und Analysen weichen oft voneinander ab, in einer Aussage aber gleichen sie sich alle: Deutschlands Manager verdienen weniger, als man in der Öffentlichkeit vermutet, von einigen Top-Gehältern abgesehen.