Nach dem Friedensangebot Präsident Johnsons und seiner Ankündigung, die Bombenangriffe auf Nordvietnam teilweise einzustellen, hat auch Hanoi Interesse an Verhandlungen bekundet. Der US-Präsident gab am Montag bekannt, er habe eine Botschaft aus Hanoi über die Bemühungen zur Beendigung des Vietnamkrieges erhalten, lehnt es aber ab, Einzelheiten mitzuteilen. Johnson: „Wir werden jetzt versuchen, umgehend einen Termin und einen Ort für Gespräche zu vereinbaren.“

Radio Hanoi hatte am Mittwoch voriger Woche, drei Tage nach dem dramatischen Appell des US-Präsidenten, bereits eine positive, wenn auch einschränkende Stellungnahme der nordvietnamesischen Regierung verbreitet. Darin wurde die Bereitschaft zu direkten Kontakten ausgesprochen, die nach einer „bedingungslosen Einstellung der Bombardierungen und aller anderen Kriegspakte“ durch die USA zu „Gesprächen“ führen könnten.

Sechs Stunden später erklärte Johnson seine Zustimmung zu einem Treffen zwischen Unterhändlern beider Länder. Er schlug Genf als Treffpunkt vor, wogegen Hanoi die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh bevorzugt.

Wegen der Rassenunruhen mußte der Präsident am Wochenende eine Konferenz mit seinen militärischen und politischen Beratern und mit dem scheidenden Oberbefehlshaber, General Westmoreland, über den künftigen Vietnamkurs von Honolulu nach Washington verlegen. Weitere Konsultationen mit den Alliierten sind vorgesehen, doch weigerte sich der südvietnamesische Staatspräsident Thieu, in nächster Zeit nach Amerika zu reisen.

Die Nationalversammlung in Saigon verabschiedete mit 66 zu vier Stimmen eine Resolution, die eine Lösung des VietnamKonflikts ohne vorherige Zustimmung der südvietnamesischen Regierung ausschließen soll. Die Alliierten der USA in Vietnam bekundeten auf einer Konferenz in Wellington/Neuseeland ihre Entschlossenheit, auf dem Kriegsschauplatz durchzuhalten und – wenn nötig – ihren Einsatz zu erhöhen.

Während die amerikanische Luftwaffe ihre Angriffe auf Nordvietnam geographisch weiter einschränkte, (die nördlichste Grenze für das Bombardement ist faktisch nicht mehr der 20., sondern der 19. Breitengrad) konnte der US-Stützpunkt Khe Sanh im äußersten Nordwesten Südvietnams nach elfwöchiger Belagerung entsetzt werden. 20 000 alliierte Soldaten waren zum Sturm angetreten („Operation Pegasus“), doch die nordvietnamesischen Belagerer wichen, ohne nennenswerten Widerstand zu leisten, in den Busch zurück. Zum Wochenbeginn rechnete man mit einem Vietcong-Angriff auf Hué oder Da Nang.