Die Hamburger Werbeagentur „publicrelations“ ließ sich für die Taufe der dritten Bananenmarke etwas einfallen: An der Feier im südamerikanischen Restaurant Los Indios in Hamburg nahm nicht nur der kolumbianische Konsul teil, auch ein kleiner Schimpanse – für rund 150 Mark von Hagenbecks Tierpark ausgeliehen – belebte die Szene. Der dreijährige Affe Moritz war sich seiner Pflicht bewußt und fraß eine gewaltige Menge von Bananen. Dann verließ er mit vollem Magen die Gesellschaft.

Geblieben war Columbina – eine neue Bananenmarke der Firma Weichen & Co. Einen Tag später stellte eine internationale Gruppe von Fruchtimporteuren, die Allgemeine Bananen-Gruppe, eine vierte neue Bananenmarke – Onkel Tuca – der Presse vor.

Das waren die letzten Reaktionen der deutschen Importeure auf den Großangriff der mächtigen amerikanischen Gesellschaft United Fruit Company. Angefangen hatte der Kampf vor gut einem Jahr. Damals erschien im deutschen Fernsehen ein Mann, genannt Señor Juan, der auf spanisch eine Markenbanane namens Chiquita lobte.

In wenigen Monaten gelang dem amerikanischen Konzern, der einen Umsatz von 1,7 Milliarden aufweist, in der Bundesrepublik die Wiederholung eines Erfolges, den er zuvor in den USA erzielt hatte: Anfang der 40er Jahre hatte das Unternehmen zum ersten Male eine Banane mit der blauen Chiquita-Marke auf dem amerikanischen Markt angeboten. Die Marke wurde so bekannt, daß die Amerikaner statt Bananen nur noch Chiquita (auf deutsch: kleines Mädchen) sagten.

Bevor die neue Marke in der Bundesrepublik eingeführt wurde, hatte United Fruit einen Marktanteil von 34 Prozent. Ein Jahr nach Einführung der Marke war dieser Marktanteil auf 44 Prozent gestiegen. Die Werbung, durchgeführt von der deutschen Filiale der US-Werbegesellschaft Young & Rubicam, hatte durchschlagenden Erfolg: Der Bekanntheitsgrad von Chiquita beträgt in der Bundesrepublik 35 Prozent.

Als erster reagierte die Hamburger Importgruppe Bruns, Kahl und Stier auf die Werbekampagne von United Fruit. Sie klebte auf ihre Ekuador-Bananen ein kleines Etikett mit dem Namen Bajella. Und die Düsseldorfer Werbeagentur Zernisch startete im Auftrag der Gruppe einen schonungslosen Kampf gegen Chiquita – mit einem Etat von vier Millionen Mark sollte der Marktanteil von rund 15 Prozent gegen die amerikanische Aggression verteidigt werden.

In ganzseitigen Anzeigen sollten die Illustriertenleser von einer charmanten „Marktforscherin“, genannt Bajella („Weil sie so blond ist wie eine leckere Banane, nennen wir sie auch so: Bajella“) gegen Chiquita eingenommen werden. Dabei ging man nicht gerade sanft gegen Chiquita vor. „Manche goldgelbe und lange Banane (Chiquita ist mindestens 15 Zentimeter lang) ist innen hart, und manche kleine mit ein paar Sommersprossen auf der Schale dagegen schmeckt delikat“ oder „Unsere Bajella und Äthylen-Gas passen nicht zusammen“ oder „Das Fruchtfleisch wird von Gas nicht reifer“.