Handikap
Die Vietnamgespräche sind über die Phase der Propaganda noch nicht hinausgediehen. Amerikaner wie Nordvietnamesen reden vorläufig zum Fenster hinaus. Die Erklärungen der Chefdelegierten werden prompt in die Öffentlichkeit posaunt, Maximalpositionen werden abgesteckt. Allein diese Verhandlungstechnik beweist, daß von ernsthaften Gesprächen zunächst nicht die Rede sein kann.
Wichtiger sind denn derzeit auch wohl die Hintergrundgeräusche, vor allen Dingen die Ernennung von Tran Van Huong zum neuen Premierminister in Saigon. Er hat die Unterstützung der Amerikaner, die sich von dem gebürtigen Südvietnamesen eine Besserung des politischen Klimas erhoffen – eine „Entmilitarisierung“ der Saigoner Politik und eine Verbreiterung ihrer Basis. An Thieu und Ky (die Huong schon 1965 einmal gestürzt haben) mag diese Hoffnung abermals scheitern. Im übrigen hat sich auch der neue Mann bisher strikt geweigert, sich mit der Nationalen Befreiungsfront einzulassen. Auf die Beteiligung des NLF richten sich mittlerweile jedoch sogar die Amerikaner ein; die Dementis einer unbedachten Äußerung des Vizepräsidenten Humphrey können darüber nicht hinwegtäuschen.
Erst wenn diese entscheidende Frage geklärt ist, haben die Pariser Gespräche Aussicht, wirklich vom Fleck zu kommen. ts
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