Die ganze Aufführung ist im allgemeinen treffend – und wenig bedeutend. Clifford Williams, der schon bei der ersten englischsprachigen Aufführung in Toronto im Februar Regie führte, hat auch am Broadway inszeniert. Er hat keine Gelegenheit vorübergehen lassen, Churchill als den liebenswerten Old Winnie herauszustellen.

Im zweiten Akt bringt zum Beispiel ein Bote ein Telegramm von Stalin in Churchills Schlafzimmer. Hochhuths Bühnenanweisung bestimmt, daß Churchill geistesabwesend auf seine Zigarrenkiste deutet und dem Boten erlaubt, sich eine herauszunehmen, daß er selber aber schon eifrig in das Telegramm vertieft ist. Williams läßt Churchill das Telegramm beiseitelegen, den Boten mit Namen anreden, ihm die Zigarrenkiste einladend hinhalten. Stalins Telegramm läßt er warten, bis diese kleine menschliche Geste das Herz des Zuschauers erwärmt hat.

Das Stück zeigt, wie Hochhuth versucht, eine Reihe von groß angelegten Theaterprüfungen der politischen Moral im 20. Jahrhundert zu schaffen – in Schwung gebracht durch den Versuch zu entlarven.

Sein erstes Stück, „Der Stellvertreter“, traf allgemein auf Mißverständnis, wie mir scheint. Das war kein Stück über die Haltung des Papstes angesichts der Behandlung der Juden durch die Deutschen; es ging um die zunehmende Seelenqual eines von der Endlösung entsetzten jungen Priesters und seinen Weg, auf dem er schließlich das Schicksal der Juden teilte. Die Szene mit dem Papst war nur eine der Kreuzwegstationen; aber diese so überaus kontroverse Szene bestimmte die Diskussion und verschob die Proportionen. In Wirklichkeit ist „Der Stellvertreter“, wie Shaws „Heilige Johanna“, das Drama eines Katholiken, der für die Kirche zu sehr Christ ist.

Diese Wirklichkeit des „Stellvertreters“, eines unbeholfenen, aber manchmal bewegenden Stückes, ist sehr wichtig für die Schwäche der „Soldaten“ – die weniger unbeholfen, aber auch weniger bewegend sind.

So ziemlich alles in den „Soldaten“ handelt von Churchill (ausgenommen eine ziemlich alberne Liebesgeschichte seiner Sekretärin), und das Stück leidet darunter so, wie der „Stellvertreter“ gelitten hätte, wenn er wirklich vom Papst gehandelt hätte. Das Stück wäre an die Geschichte gebunden gewesen, wie es die „Soldaten“ sind – an die jüngere und (jedenfalls zum größten Teil) bekannte Geschichte.

Die Anteilnahme an den „Soldaten“ hängt vor allem von der Fähigkeit des Autors ab, geistreich zu dramatisieren und bekannte Tatsachen durch eigene Einsichten in die Charaktere und in die moralischen Probleme zu erhellen. Beides ist Hochhuth nicht gelungen. Was die Fakten angeht, hat er ein bißchen Leben hineingebracht; aber Hochhuths eigene Hinzufügungen sind so wenig ergiebig, daß der Haupteindruck der einer großen Fernseh-Sondersendung ist, aber nicht der von intensivierender Kunst.