Essen Bis zum 14. Juni, Museum Folkwang: „Ungarische Kunst der Gegenwart“

Essen und Bochum wetteifern seit Jahren darin, dem deutschen Publikum die junge Kunst der osteuropäischen Nachbarländer vorzuführen. Die deutsche Erstaufführung ungarischer Kunst findet, nach langwierigen Verhandlungen, in Essen bei Museumsdirektor Paul Vogt statt. Die Feststellung, daß der Staat seinen Künstlern freie Hand läßt, ist heute nicht mehr so sensationell wie vor acht Jahren. Aber obgleich der Liberalisierungsprozeß auch in Ungarn längst abgeschlossen ist, wissen die Maler mit ihrer Freiheit doch nichts Besseres anzufangen, als westliche Stiltendenzen von gestern und vorgestern zu rekapitulieren und mit ungarischer Folklore oder mit eigenen Bildvorstellungen zu versetzen. Es gibt eine „Richtung von Szentendre“, die einem lyrisch gestimmten Surrealismus huldigt, während die „Alföder Richtung“ (Kunst der Tiefebene) landschaftliche Motive und häusliche Szenerien durch impressionistisch aufgeweichte Konturen und verschwimmende Farbzonen in verblaßte und melancholische Erinnerungsbilder umdeutet. Aber gehört das, was hier als Gegenwart geboten wird, nicht schon der Vergangenheit an? Die Bilder von Laszlo Lakner, dem jüngsten unter den beteiligten Malern, lassen derartiges vermuten, vor allem aber die Arbeiten der jüngeren Graphiker wie Gacs, Gross, Konstantin, Pasztor, Würtz, die zeitgemäße Themen hart und energisch artikulieren und sich in jeder internationalen Konkurrenz sehen lassen können.