Ein Hobby im Balkan-Dorf bringt harte Devisen für Jugoslawien

Von Ruth Dirx

Auf der Karte war die Straße nach Kovacica bereits eingezeichnet – die es in Wirklichkeit noch gar nicht gibt. Wenn wir der Karte nicht mehr geglaubt hätten als dem Augenschein, wären wir gleich wieder umgekehrt und hätten den hundert Kilometer weiten Umweg über Beograd gemacht. So holperten wir fast dreißig Kilometer querfeldein, immer den Telegraphenmasten nach. In Kovacica, wo wir mit abgebrochenem Auspuff ankamen, lachten die Bauern noch acht Tage lang über uns, weil wir auf den Plan hereingefallen waren. Geplant ist die Straße tatsächlich.

Auf diese Weise kamen wir „hintenrum“ ins Dorf, wo die Wege fast unbefahrbar sind, wo die Frauen noch in ihren alten Trachten vor der Haustür sitzen und spinnen. Um so mehr überraschten uns in der Mitte des Dorfes die nagelneue Straße, die von Beograd kommt, eine riesige, gepflegte Grünanlage rund um die Kirche, ein großes Rathaus und eine moderne Schule.

Auf dem asphaltierten Rathausvorplatz stand eine Gruppe junger Burschen mit Motorrädern, aber niemand verstand mich, als ich mich nach Martin Paluśka erkundigte. „Do you speak English?“ fragte schließlich einer aus der Gruppe; er entpuppte sich hinterher als der Tierarzt des Dorfes. Er war sofort im Bild, als ich von den Bauernmalern sprach, die wir besuchen wollten, und er nannte ihre Namen, indem er sie an den Fingern abzählte. Bei siebzehn hörte er auf.

Sonntagsmaler gibt es auf der ganzen Welt. Meist sind es Einzelgänger, Eigenbrötler, von ihrer Umgebung halb bewundernd, halb nachsichtig belächelt. Hier im Dorf lächelt niemand, die Bauernmaler sind nicht nur angesehene, drei oder vier von ihnen sind sogar wohlhabende Leute, denen ihr Hobby harte Devisen einbringt. Ihre Bilder hängen zwischen New York und Moskau in vielen Museen der Welt.

Der erste, der damit anfing, war tatsächlich ein Einzelgänger, schon rein äußerlich hebt er sich von den andern ab. Die Kovacicer Bauern sind im allgemeinen klein und zart gebaut, ihre Frauen gedrungen und rundlich. Martin Paluska überragt sie alle um eines Hauptes Länge. Aber wie so mancher große, schwere Mann ist er außergewöhnlich sensibel und gutherzig.