Am Abend des 9. Oktober defilierten vor einem millionenschweren Auktions-Publikum bei Parke-Bernet, der amerikanischen Sotheby’s Tochter auf der Madison Avenue, neun mehr oder weniger bedeutende impressionistische Gemälde und ein vorkubistisches Bild Picassos, die innerhalb von 25 Minuten die Gesamtsumme von 3 745 000 Dollar (fast 15 Millionen Mark) einbrachten. Mit diesem Rekordergebnis wurde der bisherige Auktionsrekord, der 1958 in London mit der berühmten Jakob-Goldschmidt-Auktion, bei der aus sieben Bildern insgesamt 8,75 Millionen Mark herausgeklopft wurden, noch beträchtlich überboten.

Im Gebot standen bei Parke-Bernet allein fünf großformatige Bilder von Pissarro: „Paysage à l’Hermitage, Pontoise“ (aus 1874), „Bouquet de Fleurs“ (aus 1876), „Jardin des Tuileries“ (aus 1899), „Portail de l’Eglise Saint-Jacques à Dieppe“ (aus 1901) und „Le Pont-Neuf, Paris“ (aus 1902). Das 73 mal 93 Zentimeter große Ölbild „Jardin des Tuileries“ erzielte mit 260 000 Dollar (1,04 Millionen Mark) einen neuen Spitzenauktionspreis für Pissarro.

Claude Monet war mit drei Gemälden vertreten: „Louveciennes-Effet de Neige“ (aus 1869–74), „Portrait de Madame Camille Monet“ (etwa 1875–78) und „La Route à Vetheuil“ (aus 1878). Das Porträt der Madame Corot blieb als einziges Bild des Abends unverkauft und wurde von der Eigentümerin, Mrs. France Spingold, zurückgenommen, weil das Bietgefecht bei „nur“ 500 000 Dollar stoppte – während sie sich mindestens 800 000 Dollar erhofft hatte.

Mrs. Spingold, die Witwe eines Filmmoguls, zeigte sich hinterher „terribly disappointed“(schrecklich enttäuscht), über das Auktionsergebnis. Die beiden anderen Monets wurden von den Norton Galleries (für 250 000 Dollar) beziehungsweise von Arthur Murray, einem New Yorker Tanzlehrer, (für 180 000 Dollar) erworben.

Ein 70 mal 90 Zentimeter großes Picasso-Ölbild aus dessen „Rosa Periode“ ging zum Preis von 430 000 Dollar (1.72 Millionen Mark) an einen Schweizer Sammler. Das ist der höchste Auktionspreis, der bisher für ein Picasso-Bild aus dieser Periode gezahlt worden ist.

Die Sensation des Abends war jedoch der neue „Weltrekordpreis“ für ein impressionistisches istisches Gemälde, der von dem kalifornischen Industriellen Norton S. Simon (per Telephon) für das 62 mal 103 Zentimeter große Ölbild Renoirs „Le Pont des Am, Paris“ (etwa 1868) gezahlt wurde: 1 550 000 Dollar oder 6.2 Millionen Mark. Damit wurde der bisherige Weltrekordpreis für ein impressionistisches Bild, der im vergangenen Jahr bei Sotheby’s in London für Monets „La Terrasse à Saint Adresse“ (1 400 000 Dollar) aufgestellt worden war, noch um 150 000 Dollar überboten.

Zum ersten Male veröffentlichte Parke-Börner im Anschluß an diese denkwürdige Auktion eine Liste von „Geboten“ (Final Bids Received) – statt von „Freien“ – für die einzelnen Bilder. Auf diese Art soll deutlich gemacht werden, daß es sich bei den Geboren durchaus nicht immer um echte Preise handelt, denen tatsächlich Umsätze zugrunde liegen.

Es wäre wünschenswert, wenn sich auch die deutschen Auktionshäuser dieser Praxis anschließen und auf diese Weise zu einer größeren Glaubwürdigkeit beitragen würden, denn noch sind viele Auktionspreise mit dem Odium von „Schwindelkursen“ behaftet. b.