Von David Bronsen

David Bronsen ist Professor für deutsche Literatur an der Washington-Universität in St. Louis

Einzelheiten über Brechts Rückkehr nach Deutschland waren bisher kaum bekannt. Ich erfuhr sie von einem der Männer, die damals unmittelbar mit dem Fall Brecht zu tun hatten, von Benno Frank.

Benno Frank, ehemaliger Leiter der Theater- und Musikabteilung der amerikanischen Militärregierung in Deutschland und amerikanischer Vertreter für Kulturangelegenheiten im Alliierten Kontrollrat, hat sich in den ersten drei Nachkriegsjahren als Reorganisator des deutschen TheatersVerdienste erworben. Als er im Mai 1948 seine Tätigkeit in Deutschland beendete, bescheinigte ihm die Neue Zeitung vom 29. Mai: „Benno Frank führte in jenen frühen Friedenstagen eine umsichtige und unermüdliche Arbeit durch, die eine sonderbare und einzigartige Mischung von Administration, Kulturpolitik, praktischer Dramaturgie, Besetzungsarbeit, Materialbeschaffung, Reisebüro, politischer Klärung und dramatischer Unterweisung war.“ Am 12. Mai 1960 erhielt Frank für seine Aufbauarbeit. das Verdienstkreuz Erster Klasse der Bundesregierung.

Frank, als Sohn eines polnischen Konsuls in Deutschland geboren und erzogen, fungierte vor 1933 als Regisseur des Wiesbadener Staatstheaters und Oberregisseur der Hamburger Oper. Nachdem er von 1933 bis 1939 in Jerusalem, Tel Aviv und Haifa führende Stellungen an Theater, Opern und beim Funk innehatte, leitete er von 1938 bis 1943 in Amerika die Opernabteilung einer Musikhochschule und führte an verschiedenen Theater- und Opernbühnen Regie. 1948, nach seiner Rückkehr aus Deutschland, führte er Regie bei Musikaufführungen am Cleveland Karamu-Theater (Ohio) und betätigte sich als Regisseur des Cleveland-Playhouse. Im Juli desselben Jahres wurde er zum Generaldirektor der Performing Arts at Atlanta University Corporation ernannt, welche die Bühnenproduktionen an fünf Universitäten und Colleges im amerikanischen Bundesstaat Georgia leitet und koordiniert.

Die handgeschriebenen Notizen. wie auch die Widmungen vieler Bücher aus Franks reichhaltig ger Theater- und Musikbibliothek zeugen für seine Freundschaft und Zusammenarbeit mit Musik- und Theatergrößen vom Rang eines Max von Schillings, Otto Klemperer, Jürgen Fehling, Erwin Piscator und Kurt Hirschfeld. Seine Beziehung zu Bertolt Brecht vor seinem Eintritt in die amerikanische Armee im Februar 1943 beschränkte sich auf ein paar oberflächliche Begegnungen. Es war ein halber Zufall, der Brecht und Frank 1948 zusammenführte. Ein paar Wochen lang schien es, als sollte sich für Brecht eine Schicksalswendung daraus ergeben.

Benno Frank erzählte mir die Vorgänge folgendermaßen: