Im Oktober 1968 kam es bei den Kursen marktgängiger deutscher Standardaktien zu folgenden Veränderungen (in Prozent):

Mit einem Kursanstieg von 35 Prozent im Oktober 1968 hat eindeutig Cassella das Rennen gemacht. Anlaß für die „Wiederentdeckung“ dieser Chemieaktie waren die Spekulationen über die Neuordnung in der deutschen chemischen Industrie und die Interessenabgrenzung der drei großen IG-Farben-Nachfolgeunternehmen. Diese Ereignisse haben die bisherigen Aktienfavoriten in den Hintergrund gedrängt. Harpener Bergbau und Hamborner Bergbau, im September noch an der Spitze der Gewinner stehend, mußten im Oktober sogar Verluste hinnehmen. Kohleaktien gelten an der Börse für „ausgereizt“. Das kann sich ändern, wenn nähere Einzelheiten über die Kohleeinheitsgesellschaft bekannt werden.

Abfindungsspekulationen sind der Grund für die Kurssteigerungen der Aktien der Zellstofffabrik Waldhof. In Börsenkreisen nennt man zwei angebliche Interessenten: Flick und ein amerikanischer Papierkonzern. Kleinere Pakete werden bei zwei deutschen Großbanken, einem Textilunternehmen und bei dem Bremer Holzkaufmann Krages vermutet. Um eine Abfindung ging es auch bei Wintershall – und auch bei der Veba spielten „Konzentrationsgelüste“ eine anregende Rolle. Immer noch geht es um die Frage, zu welchen Bedingungen die Aktionäre der Gelsenkirchener Bergwerks-AG abgefunden werden, falls zwischen ihnen und dem Veba-Vorstand eine Einigung erzielt werden kann.

Im übrigen zeigt unsere „Siegerliste“ deutlich, wie wenig sich das Kursniveau im vergangenen Monat nach oben verschoben hat. Sowohl die privaten als auch die institutionellen Anleger haben sich zurückgehalten. Als besonders störend haben sich die immer wieder kursierenden Gerüchte über eine Aufwertung der D-Mark erwiesen.