Der Erfolg der japanischen Exportoffensive ruft die Protektionisten auf den Plan

Von John Davenport

Als die japanische Automobilfirma Toyota im Jahre 1958 ihre ersten Wagen nach Amerika exportierte, mußten die bedauernswerten Verkäufer den Kunden erklären, daß sie mit diesem Auto nicht schneller als Tempo 90 fahren dürften. Der „Toyopet“, massiv wie ein Panzer gebaut, wurde binnen weniger Monate wieder vom amerikanischen Markt zurückgezogen. Es war ein voller Mißerfolg.

1965 kam Toyota wieder, mit dem „Corona“, einem weitaus besseren Wagen. In diesem Jahr werden die Japaner bereits 140 000 Autos in den USA absetzen. So ist das mit den Japanern. „Diese Leute sind hartnäckig“, so sagt ein amerikanischer Geschäftsmann. „Wenn sie einen Brückenkopf verlieren, nehmen sie einen neuen Anlauf. Aus dem Brückenkopf von heute, werden sie morgen eine genau berechnete Großoffensive beginnen.“

Japan, das spüren Geschäftsleute in aller Welt, ist im Außenhandel sehr aktiv. Diese Aktivität führt überall zu „kleinen Störungen“, wie die Japaner geringschätzig sagen; In Taiwan (Formosa), wohin die Japaner im großen Stil Geld und Waren exportieren, spricht die Regierung von einer neuen japanischen Besetzung. Die amerikanische Holzindustrie ist verärgert, weil die Japaner von den pazifischen Inseln das rohe Holz nach Japan verschiffen, es dort verarbeiten und dann in den USA zu Niedrigstpreisen verkaufen. Der amerikanischen Textil- und jetzt auch der Stahlindustrie bleibt nichts anderes übrig, als öffentlich zu bekennen, daß sie mit den japanischen Preisen nicht mehr konkurrieren können. Der Ruf nach Importbeschränkungen hat jetzt die Japaner veranlaßt, freiwillige Beschränkungen für die Lieferung von Stahl in die USA zu versprechen.

So wurde Japan, dessen industrielles Comeback zunächst, mit Lob und Bewunderung bedacht wurde, zum Prügelknaben für Protektionisten in allen Industrieländern. Einige Kritiker weisen mit Recht darauf hin, daß die Japaner vom relativ, freien Zugang zu den ausländischen Märkten profitieren, während sie ihr Land fast hermetisch gegen die Konkurrenz von draußen abriegeln. Doch die meisten Beschwerden haben ihren Ursprung in einem allgemeinen Laster: Jedermann lobt den Wettbewerb, aber nur solange er selbst nicht darunter leidet.

Die japanische Produktion dient weit mehr, als allgemein angenommen wird, der Befriedigung des einheimischen Marktes. Nur zehn Prozent des Bruttosozialprodukts wurden im vorigen Jahr exportiert, England führte 15 Prozent aus, und die Niederlande kamen gar auf 32 Prozent. Darüber hinaus beträgt Japans Anteil am Weltexport nicht einmal sechs Prozent, erstaunlich wenig, wenn man den Lärm bedenkt, der um die japanische Herausforderung überall gemacht wird. Andererseits aber haben sich in den letzten zehn Jahren die Exporte aus dem Inselreich vervierfacht (auf zehn Milliarden Dollar), während die gesamten Weltexporte sich nur verdoppelten.