Von Wolfgang Metzger

Die obligatorische Mutterliebe, so scheint es, ist die letzte heilige Kuh unserer Gesellschaft, deren Schlachtung selbst jene nicht wagen, die schon so mutig sind, die obligatorische Gattenliebe in Frage zu stellen.“ Diese Aussage von Sinah Walden könnte man auch in ein etwas anderes Bild kleiden: „... ist der letzte Ast, den sie nicht abzusägen wagen – aber vielleicht, weil sie noch rechtzeitig bemerkt haben, daß wir alle darauf sitzen.“.

Ich möchte mich hier weder mit dem sentimentalen Muttertagsgeschwätz noch mit dem antisentimentaler Progressivitäts- und Klassenkampfvokabular auseinandersetzen, sondern nur einige Fragen stellen und auf einige Fakten hinweisen:

1. Inwiefern denn ist „die“ Frau bei uns total manipuliert? Inwiefern sind nicht nur ihre Lebensmöglichkeiten, sondern sogar ihre Liebesmöglichkeiten fragmentarischer als die jedes beliebigen Mannes? Zugegeben: es wird noch eine Weile dauern, bis sie im Berufsleben die volle Gleichberechtigung erreicht hat. Aber gibt es nicht inzwischen schon einige Ärztinnen, Oberstudiendirektorinnen, Oberbürgermeisterinnen, Staatsanwältinnen, Universitätsrektorinnen und auch weibliche Minister? Und gibt es davon nicht allmählich immer mehr? Niemand mehr ist bei uns heute gezwungen, die Haushälterin eines Despoten zu werden.

2. Keine Frau ist gezwungen, ein Kind zu bekommen, außer wenn sie sich der Enzyklika „Humanae vitae“ unterwirft, was bekanntlich in ihrem freien Belieben steht, selbst wenn sie katholisch ist.

3. Ein ungewolltes Kind zu bekommen, kann heute nur noch als Folge ungenügender Lebensplanung oder einfach von Gedankenlosigkeit betrachtet werden, und die Folgen von Gedankenlosigkeit bei Lebensentscheidungen müssen getragen werden, auch wenn sie schwer sind.

4. Kinder aufziehen ist ein ganztägiger Beruf und zugleich ein anstrengender und aufopferungsvoller Beruf: ein Beruf ohne Gehaltsansprüche, ohne gesicherte Nachtruhe, Freistunden und Urlaubswochen, auch ohne die Möglichkeit eines Stellenwechsels, ohne die’steuerlichen Vorteile, die unser Staat den, Besitzern von Rennställen, Jachten und Gästehäusern gewährt, und, was das Schlimmste ist, ohne die öffentliche Achtung, die er verdient. Nur verschämt traut sich bei uns noch eine junge Frau, nach ihrem Beruf gefragt, zu gestehen, sie sorge „nur für ihre Kinder“.