Zwei Wochen nach dem Angebot des scheidenden US-Präsidenten Johnson, mit Hanoi, Saigon und der Nationalen Befreiungsfront über eine Beendigung des Vietnamkonflikts zu beraten, war der vierte Platz in der Pariser Konferenzrunde noch immer nicht besetzt.

Der südvietnamesische Staatspräsident Thieu weigerte sich beharrlich, eine Delegation zu entsenden und den von Hanoi – entgegen amerikanischen Versicherungen – beanspruchten Status der NLF als selbständigen Gesprächspartner anzuerkennen. Thieu bestand statt dessen auf zweiseitigen Verhandlungen zwischen Hanoi und Saigon, denen sich die USA und die NLF unterzuordnen hätten.

US-Verteidigungsminister Clifford rügte den störrischen Verbündeten: die USA seien notfalls bereit, mit Nordvietnam allein weiterzuverhandeln. Botschafter Bunker versuchte unterdessen in Saigon die Fehler der US-Diplomatie durch sanfte Überredung Thieus auszubügeln.

In seinem ersten Gespräch am 16. Oktober hatte Bunker den Staatspräsidenten grundsätzlich für einen Bombenstopp gewinnen können. Doch erhoben Thieus Berater energischen Widerspruch, weil sie die von Hanoi angebotenen militärischen Konzessionen als „bedeutungslos“ einstuften. Gleichwohl schien eine Einigung nahe, als Nordvietnam am 26. Oktober den amerikanischen Paketplan (Bomben- – stopp gegen erweiterte Friedensverhandhingen) annahm. Zudem hatte Washington eine weitmaschige „Unsere-Seiteihre-Seite“-Formel präsentiert, die vorhersehbare Protokoll- und Statusprobleme bei den Vierer-Verhandlungen bannen sollte.

Die Panne ereignete sich jedoch am 29. Oktober: Der südvietnamesische Beobachter in Paris, Pham Dang Lam, kabelte nach Saigon, der amerikanische Chefdelegierte Harriman habe ihm gegenüber erklärt: „Vergessen Sie nicht, daß Ihre Regierung nicht das ganze Vietnam, repräsentiert.“

Saigon sah damit seinen sorgsam gehegten Alleinvertretungsanspruch angetastet und die Gegenseite noch vor Konferenzbeginn aufgewertet. Das Vertrauen in die Amerikaner war erschüttert, Thieu legte sich quer. Dagegen wollte Johnson unter dem Druck des näherrückenden Wahltermins nicht länger mit dem Bombenstopp warten. Er gab ihn bekannt – ungeachtet der Gefahr, daß sich seine letzte Friedensinitiative in das letzte Fiasko seiner Amtszeit wenden könnte.