Der Störenfried sitzt in der Bundesrepublik. Diese Prophezeiung für eine möglicherweise schlechte Entwicklung des Handels zwischen den beiden Teilen Deutschlands stellte Günter Mittag, Planungschef der SED, auf der jüngsten Sitzung des Zentralkomitees seiner Partei vorsorglich auf. Er holte in einer Rede Begriffe wieder hervor, die man längst in der Mottenkiste des Kalten Krieges verschwunden glaubte. Der Fetisch von der „Störfreimachung“ des DDR-Außenhandels von Einflüssen aus der Bundesrepublik tauchte wieder auf.

Diese harte Attacke kam um so überraschender, als sich der Interzonenhandel in der zweiten Jahreshälfte günstiger entwickelt hat, als man zunächst erhoffen durfte. Er wird voraussichtlich nur noch wenig hinter den Vorjahresergebnissen zurückbleiben.

Es scheint, als ob diese Angriffe denn auch viel mehr den Kräften in der DDR gelten, die sich eine Liberalisierung der Wirtschaft erhofften. Nach der militärischen Invasion der Warschauer-Pakt-Staaten in die ČSSR, die eine politische Liberalisierung unterband, soll jetzt offensichtlich auch wirtschaftlichen Reformbestrebungen im eigenen Land entgegengewirkt werden. Der Buhmann der kapitalistischen Bundesrepublik muß herhalten, um zu beweisen, daß man in der DDR vor kapitalistischen Aufweiche lern jederzeit auf der Hut ist. mh.