FÜR Tabu-Brecher wie Tabu-Verfechter, Interessierte wie Degoutierte, Väter wie Töchter, auch zur Aufklärung all derer, die aufklären sollen oder wollen –

Herbert Maisch: „Inzest“; rororo 8008, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek; 189 S., 2,80 DM.

ES ENTHÄLT eine umfassende und abgewogene Darstellung der kulturgeschichtlichen, soziologischen, psychologischen und strafrechtlichen Aspekte jener allzu innigen Verhaltensweise; insbesondere Kapitel über die sozialen Charakteristika des Inzest-Milieus sowie die Persönlichkeit des männlichen Inzesttäters und des weiblichen Inzestopfers, die, auf eigenen Forschungen des Autors beruhend, völlig neues Licht auf ein uraltes Tabu werfen.

ES GEFÄLLT als das derzeit aktuellste, modernste und unvoreingenommenste Buch zu diesem Thema; darüber hinaus als ein Standardwerk von der Art, wie der Wißbegierige sie für andere Themen so lange und so oft vergeblich sucht: wo auf knapp 200 Seiten zu einem erschwinglichen Preis ein Komplex umfassend, übersichtlich und verständlich abgehandelt wird, ohne daß der wissenschaftliche Anspruch darunter leiden müßte. Das ist Aufklärung im höchst erwünschten Sinn: an Diderot und Lessing orientiert, nicht an Kunz und Kolle.

Rudolf Walter Leonhardt