In der Kunstgeschichte wird Max Slevogt, soweit er überhaupt noch Erwähnung findet, unterm Stichwort „Deutscher Impressionismus“ aufgeführt. Mit der neuen Slevogt-Monographie, der ersten seit bald vierzig Jahren, 1968 zur Feier seines hundertsten Geburtstags erschienen –

Hans-Jürgen Imiela: „Max Slevogt“; Verlag G. Braun, Karlsruhe; 464 S. mit 64 Farbtafeln und 160 Schwarzweißabb., 98,– DM

– unternimmt es ein jüngerer Kunsthistoriker, ihn von dieser längst fragwürdigen Etikettierung zu befreien. Das Schlagwort vom „Dreigestirn des Deutschen Impressionismus“ (Liebermann, Slevogt, Corinth) geht anscheinend auf eine geschickte propagandistische Formulierung des Kunsthändlers Paul Cassirer zurück. Inzwischen ist Corinth, mit guten Gründen, aus diesem Dreigestirn eliminiert worden. Nun wird auch Slevogt herausgelöst.

In einem ausführlichen Sonderkapitel über den „Sogenannten Deutschen Impressionismus“ beschäftigt sich Imiela mit der komplexen Situation der deutschen Malerei vor der Jahrhundertwende, wobei Slevogt in das Spannungsfeld München, Berlin, Paris eingeordnet wird. Mit noch weitgehend unveröffentlichtem Material aus der Slevogt-Korrespondenz, den Tagebüchern und Dokumenten, die im Archiv in Neukastel aufbewahrt werden, analysiert Imiela zum erstenmal die Beziehungen, die Slevogt einerseits mit dem Leibi-Kreis, andererseits mit Manet, den er selber als sein lebenslanges Vorbild bezeichnet hat, verbinden. Daß Imiela keine Ersatzformel für den „Impressionisten“ Slevogt bietet, gehört wohl eher zu den Vorzügen dieser außerordentlich gewissenhaften, in der Wertung zurückhaltenden Monographie. Sie ist in Form einer „inneren Biographie“ geschrieben, einzelne Werkgruppen werden bestimmten Lebensphasen zugeordnet. Gewisse Abschnitte und Gruppen werden stärker akzentuiert: „München 1890 bis 1897“ (schon thematisch sind das ohne Frage die interessantesten Bilder), „Im Frankfurter Zoo 1901“, dann die „Ägyptenreise 1914“ (die Tagebuchnotizen werden in den Anmerkungen zitiert) und schließlich „Stilleben und letzte Landschaften“ aus den Jahren in Neukastel.

Die Bilder sind bemerkenswert gut reproduziert, einige sind zum ersten Male veröffentlicht; man staunt, daß diese spezifisch leichte, sich verflüchtigende Farbsubstanz der Slevogtschen Malerei sich so präzis wiedergeben läßt.

Gottfried Sello