Schon morgen ins Büro von morgen?

Die Sekretärin räkelt sich im körpergerechten Kunststoffsessel; vor ihr, auf dem Monitor, erscheint der Chef im Bild und gibt Anweisungen; auf dem Nebentisch rattert, wie von allein, eine Schreibmaschine; die Dame im Vorzimmer arbeitet: Sie drückt Knöpfe und gibt dem Computer Anweisungen.

Ein Büro der Zukunft? Die Zukunftsforscher, Raumplaner und Architekten denken sich das noch ein bißchen anders aus, etwas nüchterner, realistischer, auch nicht ganz so idyllisch, wenn es auf den ersten Blick auch so scheinen mag:. Denn die Büros von morgen liegen, dezentralisiert, im Grünen. Arbeit mit Freizeitlook. Die Bürowolkenkratzer der Citys werden dann vielleicht zweckentfremdet werden müssen, weil die Flut der Angestellten und Beamten über sie" hinwegspült, hinaus aufs Land.

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Das Bild, das Robert Jungk — der Mann, der sozusagen die Zukunft erfand — zeichnete, ist aber trotzdem nicht beängstigend: mehr und mehr Freizeit, mehr und mehr Büros mit privaten Elementen, Rekreationszentren, Schwimmbäder und Sporthallen, gesunde Verquickung von Arbeit und Freizeit. Ein Bad nach dem Mittagessen, zwischendurch ein bißchen Tennis, der Chef der Zukunft wird es selbstverständlich finden. Jungk sagte das auf der neuesten dieser fleißig arrangierten Podiumsdiskussionen über „morgen". Diesmal war es Christian Holzäpfel, namhafter Produzent fortschrittlicher Büromöbel, der es genau wissen wollte. Er hatte acht Fachleute nach Frankfurt am Main zum Diskutieren eingeladen: neben Jungk waren das ein Fachmann für Systementwicklung, ein Berater für Großraumplanung, der Leiter einer Organisationsabteilung, ein Büroarchitekturprofessor, ein Volkswirt und ein Journalist.

Sie waren sich einig: Die Zukunft gehört dem Großraumbüro. Letzte Einwände, meist auf Unkenntnis beruhend, wurden beiseite gewischt. „Falsche Vorstellungen", meinte Kurd Aisleben, in Fachkreisen als „Erfinder der Bürolandschaft", bekannt „Man glaubt, human vorzugehen, wenn man kleine Räume schafft In Wirklichkeit sei der Großraum viel humaner, weil alle gleichwertig untergebracht sind. Im Büro der Zukunft werde auch für Abwechslung gesorgt sein, da der Mensch offensichtlich wechselnde Umwelteinflüsse brauche. Wechseln werden Helligkeit und Farbe des Lichts, wechseln werde auch das Klima im Großraum „Der Wechsel wird Weckimpulse geben " Auch vom wuchtigen Schreibtisch als Statussymbol wird man sich trennen müssen „Die, Arbeitsplätze von heute sind zu aufwendig gebaut", beanstandete der Produzent Holzäpfel , „Erstrebenswert sind billige Möbel — nach Gebrauch wegzuwerfen ": > - ; Überhaupt wird r viel weniger Routinearbeit zii leisten sein und viel mehr geplant werden in den Büros von morgen — technisch geplant und dann strategisch geplant. Maschinen werden Vorgänge simulieren, die sich noch gar nicht ereignet haben. Und es werde in den Großraumbüros auch StehSitzplätze geben sowie Gruppenarbeitsplätze für die sich immer besser entwickelnde Teamarbeit. Die Umwelt formt den Menschen, und der Mensch im Jahr 200Q und früher, so meinte Jungk, werde sich vom Gegenwartsbürokraten erheblich unterscheiden: Er wird mehr wissen, auch auf Gebieten, die nicht unmittelbar mit seiner Arbeit zusammenhängen, er wird kritischer und phantasievoller werden, er wird kreativer sein dürfen. Er wird ein „Environment" bekommen, in dem er sich entfalten kann, und sich. mehr und mehr daran gewöhnen, nicht als ein- , zelner, sondern in der Gruppe zu arbeiten. Den Weg in die Zukunft hat der Veranstalter schon unter den Füßen. Seine Möbel, von einenx Team durchdacht, sind gleichwohl schon für heute Die Büroplaner und Organisatoren reiben sidi gewiß die Hände, die Bürobenutzer sind entzückt:, versenkbares Schloß gegen Laufmaschen, Sichtblenden gegen Minirockpassanten, Fach für die] Butterstullen, Papierkorb direkt am Tisch, abgerundete Kanten und Ecken — und so weiter.

 
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